Kirchenführer – Kirchengemeinde Ottensoos https://pfarramt-ottensoos.de Evang. Luth. Kirchengemeinde Ottensoos Sun, 03 Dec 2017 20:48:10 +0000 de hourly 1 Kirchenführer Seite 15 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-15/ Tue, 15 Jan 2008 01:36:25 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=684 Impressum

Dieser Kirchenführer basiert weitestgehend auf dem Führer in Heftform. Für diesen gilt:

Herausgeber: Evang.-Luth. Kirchengemeinde Ottensoos

Sonnenuhr an der Südwand (1903)
Sonnenuhr an der Südwand (1903)

Redaktion: Udo G. Schmoll, Pfarrer

Texte: Pfr. Udo G. Schmoll (Seite 2-8, 10, 11, 18, 20),
Pfr. Amulf Elhardt (Seite 2, 3, 9, 13-15, 17, 19)

Fotos: H. Köstler, Lauf (1990); Seite 4, 5 U. Schmoll,
Titelbild: Ofr. Ansichtskartenverlag, Bayreuth.

Druck: Verlag E. Riedel GmbH, Gunzenhausen (1991)

Ein besonderer Dank gilt Herrn Pfr. Chr. Reichenbacher, Landeskirchenamt München, für die Beratung und Herrn Th. Dürr für das Lektorat.

Literaturhinweise:
W. Schwemmer, „Ottensoos“, Nürnberg 1983
W. Meyer/ W. Schwemmer: „Kunstdenkmäler Bayerns; Mittelfranken Bd. XI: Landkreis Lauf a. d. Peg.“, München 1966, S. 352-377

Die Kirche ist wöchentlich Samstag und Sonntag geöffnet. In den Sommermonaten auch während der Woche am Nachmittag.
Es besteht die Möglichkeit zur Kirchenführung durch ausgebildete Kirchenführer/ -innen. Interessenten wenden sich bitte an das Evang.-Luth. Pfarramt Ottensoos, Telefon 09123/2191.

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Kirchenführer Seite 14 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-14/ Mon, 14 Jan 2008 01:33:54 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=682 Kirchengemeinde am Ort

Die Anfänge der Kirchengemeinde sind nur lückenhaft aufzuspüren. Abgesehen von der Weihe der ersten Kapelle um 1060 (vgl. S. 13), erfahren wir, daß 1297 der erste Pfarrer in Ottensoos eingesetzt wurde. Nachdem sich Nürnberg 1525 der Reformation Luthers anschloß, konnte schließlich 1528 der erste evangelische Pfarrer berufen werden. In der Zeit der Gegenreformation sollte in dem Ganerbengebiet um den Rothenberg die katholische Konfession wieder eingeführt werden. Auf das hartnäckige Drängen der Stadt Nürnberg hin konnte Ottensoos aber als Ausnahme evangelisch bleiben.

Seit Gründung der Pfarrei gehören zur Kirchengemeinde Ottensoos, neben dem Ort selbst, die Dörfer Rüblanden und Weigenhofen. Gegenwärtig zählt die evangelische Gemeinde 1650 Glieder.

Sowohl dörfliche Traditionen wie die heutigen örtlichen Erfordernisse prägen das Gemeindeleben. Um die Kirche herum fallen dem Besucher die liebevoll gepflegten Gräber auf. Der sonntägliche Gottesdienst wird als Höhepunkt in der Woche erlebt. Dazu laden wir Sie herzlich ein.

Das Gemeindehaus gegenüber dem Haupteingang der Kirche war früher das alte Schulhaus. Heute findet hier ein großer Teil des kirchlichen Lebens statt: der 1905 gegründete Posaunenchor probt hier und der Frauensingkreis sowie der Kinderchor treffen sich zum Einstudieren der Lieder. So ist Ottensoos einerseits das „Singende Dorf“, andererseits leisten die Chöre ihren wichtigen Beitrag für die Gemeinde. Wöchentlich treffen sich auch Jungschar, Kinder- und Jugendgruppen hier. Am Freitag ist die Bücherei mit einem breiten und interessanten Angebot geöffnet.

Zu Kirchenführungen steht Ihnen ein ausgebildetes Team von Kirchenführern zur Verfügung. Das Pfarramt vermittelt Ihnen gerne nach telefonischer Vereinbarung eine Führung (Adresse und Telefon siehe Impressum).

Für Ihren weiteren Weg wünschen wir Ihnen Gottes Segen!

Der Herr segne deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

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Kirchenführer Seite 13 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-13/ Sun, 13 Jan 2008 01:31:50 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=674 Ich bin der Weinstock…

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der barocke Hauptaltar (10) beim Laufer Schreinermeister Balthasar Götz in Auftrag gegeben (1698). Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Haus mit Dach. Doch der (untere) „Dachgiebel“ explodiert. Der aufgesprengte Giebel eröffnet roch oben eben Raum für ein neues „Haus“.

Der auferstandene Christus im oberen Teil des barocken Hauptaltars
Der auferstandene Christus im oberen Teil des barocken Hauptaltars

Alles strebt aufwärts: Die Schlangensäulen winden sich nach oben, das Rankenwerk mit den Trauben wächst in die Höhe und die goldenen Flammen im Hintergrund lodern auf. So werden die Blicke von der Beweinung Christi (gotisch; um 1500) im „unteren Haus“ nach oben hin zur Auferstehung gezogen.

Unten in der Mitte des Altares beweinen der Jünger Johannes, die Mutter Maria und die Jüngerin Maria Magdalena den toten Jesus. Seinen gemarterten und zerbrochenen Körper halten sie fassungslos in ihrer Hand.

Über dem schwarzen Kreuz flammen die Strahlenzungen der Ostersonne schon nach oben: Vor einer goldenen Muschel steht der auferstandene Christus. Er wird von zwei Engeln flankiert, die in der einen Hand einen Siegeskranz und in der anderen einen Palmzweig haben. Sie verdeutlichen so den Sieg Jesu Christi über den Tod. Der Altar zeichnet den Weg von der Trauer zum Leben und vom Tod zur Auferstehung nach.

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Kirchenführer Seite 12 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-12/ Sat, 12 Jan 2008 01:28:50 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=673 Gemeinschaft der Heiligen

Der Frauenaltar (14) mit seinen Schnitzereien und Gemälden stammt von denselben Meistern und aus derselben Zeit (um 1510) wie der Marienaltar (4) Im Mittelschrein sind die „Heiligen drei Madel“ zu sehen, die öfters zusammen als Gruppe dargestellt werden. Die Kronen, die sie tragen, erinnern an ihre adelige Herkunft. Die Ottensooser „Drei-Kronen-Brauerei“ hat sich nach ihnen benannt. Alle drei waren Prinzessinnen, die wegen ihres christlichen Glaubens den Märtyrertod auf sich nahmen. Jede von ihnen ist einem der mittelalterlichen Stände zugeordnet (von links nach rechts): Barbara mit dem Kelch den Rittern und Soldaten, Katharina mit dem Schwert den Gelehrten und Adeligen, Magarete mit der Bibel und dem Palmzweig den Bauern.

Barbara mit dem Kelch, Ausschnitt aus dem Frauenaltar
Barbara mit dem Kelch, Ausschnitt aus dem Frauenaltar

Auf dem rechten Seitenflügel ist die Erzapostelin Maria Magdalena mit einem Salbgefäß dargestellt. Sie kam zum Friedhof, um den toten Leichnam Jesu zu salben. Dabei wurde sie zur ersten Zeugin seiner Auferstehung und bekam als erste den Auftrag, die frohe Botschaft in die Welt zu tragen.

Auf dem linken Seitenflügel ist die Hl. Odilie zu sehen, die besonders bei Augenleiden angerufen wurde. So gab es für die vielfältigen Leiden und Unglücksfälle die verschiedenen Heiligen. Von den „14 Nothelfern“ finden sich unten in der Predella nur zwölf. Von links nach rechts sind es: Pantaleon, Egidius, Georg mit Drachen | Nikolaus mit drei goldenen Kugeln, Katharina, Veit mit Siedekessel, Margarete, Urban, Blasius | Christopherus, Achatius, Eustachius.

Beim geschlossenen Altar sind oben (v. 1. n. r.) Margarete, Barbara, Katharina und Apollonia zu sehen. Letztere ist mit einer Zange dargestellt; sie wurde bei Zahnschmerzen angerufen. Unten auf der Rückseite der Predellenflügel sind Dorothea, Ursula, Agnes und Christina zu sehen. Die Heiligen stehen vor einem edlen Vorhang und tiefblauem Hintergrund, sozusagen an der Trennwand zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Diese Stellung läßt sie zu Fürsprechern für die Menschen werden. Nicht nur diese Heiligen bilden eine Gemeinschaft. Alle, die getauft sind, gehören zur „Gemeinschaft der Heiligen“ und teilen so denselben Glauben, für den es lohnt, sich einzusetzen

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Kirchenführer Seite 11 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-11/ Fri, 11 Jan 2008 01:27:14 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=672 Schatztruhen

Als die Veitskirche im Mittelalter noch katholisch war, brauchte man in der Nähe des Altars einen Ort für die geweihten Hostien. Links neben dem Hochaltar konnten diese auch unter der Woche in der Sakramentsnische (9) verehrt werden. Sie ist vor 1450 geschaffen worden und schmückte schon die alte zerstörte Vorgängerkirche. Damit ist sie nach dem Glasmedaillon (18) das ältestes Stück hier.

Sakramentsnische; gotisch vor 1450
Sakramentsnische; gotisch vor 1450

Das Tabernakel wird von einem dreieckigen Giebel (sog. Wimperg) bekrönt. In seiner Mitte blickt das Gesicht Christi den Betrachter mit großer Ruhe an. Auf den beiden Schmucktürmchen daneben wachen zwei En11gel. Heute ist in der Sakramentsnische ein leeres Arm-Reliquiar zu sehen. Darin wurde früher ein Erinnerungsstück eines Märtyrers aufbewahrt.

1522 – drei Jahre bevor sich der Rat der Stadt Nürnberg und damit Ottensoos zur Lehre Luthers bekannte – blühte die Sakramentsverehrung im Leben der Gemeinde und ihrer Pestbruderschaft so sehr, daß man sich zu einem neuen und größeren Sakramentshäuschen (6) entschlossen hatte. Es ist den Werken von Veit Wirsberger ähnlich. Die ehemals dreischiffige Kirche wurde vermutlich deswegen um ein weiteres schmales Schiff im Norden erweitert. Dort, wo jetzt der Marienaltar steht, könnte das Sakramentshäuschen bis zum Einbau der Empore (1733) gestanden haben.

Der Sakaramentsturm verjüngt sich nach oben hin. In seinem obersten Teil ist der auferstandene Christus zu sehen. Die Figur ist aus einem anderen Material, aus Holz, geschnitzt, denn der auferstandene Herr unterscheidet sich seit Ostern von seiner früheren Existenzweise. Er hat die Hände zum Segen erhoben und zeigt seine Wundmale. So verdeutlicht dieses Werk, daß Christus im Abendmahl auf neue und verborgene Weise gegenwärtig ist.

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Kirchenführer Seite 10 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-10/ Thu, 10 Jan 2008 01:25:02 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=671 Ein feste Burg…

Wer vom Dorfplatz her zur Veitskirche hinaufgeht, dem fallen zunächst einmal die Wehrmauern auf. Nach der verheerenden Zerstörung der Kirche im 1. Markgrafenkrieg (1450) wurde die Verteidigungsanlage verbessert (A). Seitdem diente die Kirchenburg im Falle eines feindlichen Angriffs der Bevölkerung als Zufluchtstätte. Auch die jüdischen Einwohner von Ottensoos, die ihre Synagoge am Dorfplatz hinter dem Rathaus hatten, fanden hier Schutz. Die Geschichte der Ottensooser Judenschaft, die seit 1531 nachweisbar ist, fand durch den nationalsozialistischen Terror ein jähes Ende.

Glasmedallion über dem Südportal (Ende 13. Jh.): "Der thronende Christus"
Glasmedallion über dem Südportal (Ende 13. Jh.): „Der thronende Christus“

Der Dreißigjährige Krieg brachte die Feuerprobe für die Wehranlage. Der Angriff, der 1631 erfolgte, konnte nicht abgewehrt werden. Dorf und Kirche gingen in Flammen auf.

Heute ist der doppelte Mauerring nur noch in seinem Verlauf erkennbar. Von dem Wehrgang ist an der Ostseite noch etwas zu entdecken. Im 19. Jahrhundert wurden die Anlagen (z. B. die Scheunen, der Backofen und ein Turm in der Nordwestecke des inneren Mauerrings) überflüssig und deshalb beseitigt.

(18) Glasmedallion über dem Südportal (Ende 13. Jh.): „Der thronende Christus“
Seit Alters her umgibt der Friedhof die Kirche. 1955 wurde im Pegnitzgrund zwar ein neuer Friedhof angelegt, doch weist der alte Friedhof die Besucher weiter auf den Tod hin und „daß wir hier keine bleibende Statt haben“. (Hebr. 13, 14). So wird der Friedhof ein besonderer Ort der Begegnung von Vergangenheit und Zukunft, von Leben und Tod. Der umzäunte „Garten“ erinnert auch an das Paradies, in dem die jüdische und christliche Heilsgeschichte begonnen hat, und schlägt einen Bogen zu dem Garten, in dem der auferstandene Jesus Maria Magdalena begegnet ist.

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Kirchenführer Seite 9 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-9/ Wed, 09 Jan 2008 01:22:48 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=670 Wie Veit nach Ottensoos kam

Ottensoos wird 903 erstmals urkundlich erwähnt. Die Pegnitz ist die Grenzlinie zwischen den Bistümern Bamberg und Eichstätt. Im 11. Jahrhundert organisierte Bischof Gundekar II. den nördlichen Teil des Bistums Eichstätt neu; dabei weihte er 1060/61 hier einen Altar oder eine Kapelle. Das Recht zur Pfarrstellenbesetzung hatten zuerst die Pfarrei Offenhausen, dann das Kloster Engelthal und seit 1504 die Freie Reichsstadt Nürnberg.

Von Nürnberg aus führte die „Goldene Straße“ über Lauf, Hersbruck, Amberg und Pilsen nach Prag. Der Patron der „Goldenen Stadt“ ist der Hl. Veit. So gab es auch an dieser Handelsstraße eine Veitskirche. Sie wurde nach dem Brand im 1. Markgrafenkrieg 1450-1480 neu errichtet.

St. Veit, Lindenholzfigur um 1500
St. Veit, Lindenholzfigur um 1500

Der Heilige Veit selbst lebe im 3. Jh. und stammte aus Sizilien. Das mittelalterliche Heiligenbuch, die „Legenda Aurea“, erzählt die bewegende Märtyrergeschichte. Durch seine Erzieher Modestus und Crescentia ist er zum christlichen Glauben gekommen. Die beiden sind als Reliefs an der Wand rechts neben dem Südportal zu sehen (20). Sie waren bis 1903 auf den Seitenflügeln des Hauptaltars angebracht.

Der junge Veit prallte um 300 auf den Machtanspruch des römischen Kaisers Diokletian. Er soll nach verschiedenen wunderbaren Taten wie seine Zieheltern – den Märtyrertod in einem siedenden Kessel erlitten haben (vgl. die Figur in der Predella des Frauenaltars (14). Im Mittelalter wurde er bei Fallsucht („Veitstanz“) und anderen Krankheiten angerufen. Der Veit ist in dieser Kirche noch öfters zu entdecken:

  • (5) Als Dreiviertelplastik steht er jetzt zwischen dem Marienaltar und dem Sakramentshäuschen. Die gotische Figur aus Lindenholz war von 1500 bis zum Brand der Kirche im Dreißigjährigen Krieg im Mittelschrein des Hauptaltars.
  • 1698 wurde der neue Hauptaltar geschaffen. In ihm stand bis zur Renovierung 1903 die barocke Figur (8), die jetzt mit zwei gotischen Engeln an der nördlichen Chorwand thront.
  • Ein Glasbild (11) zeigt Veit mit einem Hahn (um 1500).
  • An der südlichen Chorwand daneben (2) ist er mit den Insignien und in der Tracht des sächsischen Kurfürsten, dessen Patron er war, ausgestattet.
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Kirchenführer Seite 8 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-8/ Tue, 08 Jan 2008 01:19:44 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=669 Kommt, ihr seid geladen

Der Tisch ist gedeckt. Brot und Wein liegen auf dem Altar. „Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist, wohl dem, der auf ihn traut!“ Mit diesen Worten sind wir zum Abendmahl eingeladen. Brot und Wein werden für uns im Abendmahl zu Zeichen der Nähe Gottes.

Im Hintergrund unserer Abendmahlsfeier steht – wie oben auf dem Bild auch – das Mahl, das Jesus vor seinem Tod gefeiert hat. Jesus sitzt in der Mitte seiner zwölf Jünger. Sein Blick ruht auf Johannes, der sich bei ihm anlehnt. Jesus legt seinen linken Arm auf seine Schulter. Petrus, der andere Nachbar Jesu, beobachtet neidisch die beiden.

Abendmahl
Abendmahl

Die Stimmung im Raum ist nachdenklich und betroffen. Die Szene hält den Augenblick fest, in dem Jesus sagt: „Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch… Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde“ (Lukas 22, 21-23).

Wer unter ihnen ist der Verräter? Der, der links außen an der Ecke sitzt und gleich fortgehen könnte? Oder sein Gegenüber am anderen Ende des Tisches? Es könnte auch sein Nachbar sein, der seine Hand vom Tisch zieht. Oder ist Judas der dritte von links, der etwas – vielleicht einen Beutel mit dem Kopfgeld – unter seiner Hand verbirgt? Oder sein Nachbar, der einen Brocken Brot in der Hand hält? Vielleicht ist es jemand ganz anderes! Die ganze Szene läßt den Betrachter vermuten: „Wer es wohl wäre, der das tun würde … Bin ich’s?“ (Matthäus 26, 22)

Alle sind im Abendmahl eingeladen, die Nähe Jesu zu spüren. Seine rechte Hand liegt segnend auf dem Tisch und er spricht „Nehmt und eßt, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Nehmt und trinkt alle aus diesem Kelch; das ist der neue Bund, der durch mein Leben und Sterben zwischen Gott und euch geschlossen ist.“ Darin findet das Abendmahl, das wir feiern, seinen Grund.

Die Kelche, aus denen wir hier in Ottensoos trinken, sind fast 400 Jahre alt. Gemeinsam mit den Generationen vor uns und mit allen Christen haben wir teil am Brot des Lebens und am Kelch des Heils.

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Kirchenführer Seite 7 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-7/ Mon, 07 Jan 2008 01:17:22 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=668 Wer so stirbt, der stirbt wohl

Marias letzte Stunde ist gekommen. Die zwölf Apostel umgeben sie. Daß sie da sind, tröstet sie. In ihren Gesichtern spiegelt sich der Ernst der Stunde. Jetzt heißt es Abschied nehmen von einem lieben Menschen.

"Tod Mariens", Bildtafel am Marienaltar (Hans-von-Kulmbach-Schule; um 1510)
„Tod Mariens“, Bildtafel am Marienaltar (Hans-von-Kulmbach-Schule; um 1510)

Johannes hält die Kerze fest, die er Maria in die Hand gesteckt hat. Sie spürt, daß Christus, das Licht der Weit, ihr nahe ist in diesem Augenblick. Zwei Apostel lesen Worte aus der Bibel, andere beten. Philippus hält das Kreuzzeichen. Es ist aufgerichtet und ein Zeichen der Hoffnung über dieses Leben hinaus. Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Wie sterben heute Menschen? Alleine? Die gesammelte Art der Darstellung ermutigt uns, Nähe zu geben und Nähe zu suchen. Das geöffnete Fenster hinter dem Kreuz weist hin auf die Ewigkeit Gottes, auf das Leben in seiner Herrlichkeit.

„Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür, wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.“

(P Gerhardt: „0 Haupt voll Blut und Wunden“, EKG 63, V. 9)

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Kirchenführer Seite 6 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-6/ Sun, 06 Jan 2008 01:12:29 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=665 Marienaltar

Wenn der Marienaltar (4) in den Fastenzeiten (Advent und Passion) geschlossen ist, sind sechs Bildtafeln aus der Hans-von-Kulmbach-Schule (um 1510) zu sehen. An den Festtagen zeigt der geöffnete Altar Schnitzwerk aus der Veit-Stoß-Schule (um 1520). Durch seine vorherrschenden Farben, Blau und Gold, und durch seine plastische Gestalt hebt sich die „Festtagsseite“ mit ihren Christusbildern von der geschlossenen Seite und ihren Themen aus dem Marienleben ab.

Im Mittelschrein hält Maria das Christuskind auf ihrem Arm. Sie steht auf einem Halbmond, der wie ein Gesicht gestaltet ist. Zwei Engel halten die Mondsichel und zwei tragen ihre Krone. Die Vorstellung der „Strahlenkranzmadonna“ geht auf die Vision der himmlischen Frau von Offenbarung 12 zurück und ist ein Sinnbild für die Kirche. Der Seher Johannes macht mit dieser Symbolfigur den Gemeinden, die unter der Verfolgung Kaiser Neros litten, Mut: Christus hat schon den Sieg über die widergöttlichen Mächte errungen und wird bald die Kirche aus ihrer Not erlösen.

Auf der linken Flügeltüre ist oben die Geburt Jesu dargestellt (siehe Seite 6). Darunter huldigen die Weisen aus dem Morgenland dem „König der Könige“.

Die rechte Flügeltüre zeigt mit ihren beiden Relieftafeln, daß Jesus Jude war. Oben ist die Beschneidung Christi abgebildet, die nach jüdischem Brauch zusammen mit der Namensgebung am achten Tag nach der Geburt vorgenommen wird. Unten ist die „Darstellung im Tempel“ zu sehen. Maria löst ihren Sohn, der wie alle Erstgeborenen als Gottes Eigentum gilt, mit einer Opfertaube aus. Die Frau links trägt das Tier in einem Korb. Der alte Priester Simeon erkennt in Jesus den verheißenen Messias und betet:

„Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du _gesagt hast, denn meine Augen haben den Heiland gesehen, den du bereitet hast vor allen Völkern, ein Licht, zu erleuchten die Heiden, und zum Preis deines Volkes Israel“ (Lukas 2, 29-32).

Die sechs Bildtafeln bei geschlossenem Altar zeigen von links nach rechts:

Geburt Marias – Tempelgang Mariens – Anna und Joachim Geburt

Jesu – Maria im Sterbebett – Maria und Elisabeth.

Oben links: Die Geburt Marias ist in einer bürgerlichen Stube dargestellt. Anna beobachtet vom Bett aus, wie ihre Tochter Maria in einem Zuber von der Hebamme gebadet wird.

Mitte oben: Die Eltern haben ihre zwölfjährige Tochter – einer Legende nach – in den Tempel gebracht, damit Maria hier bis zu ihrer Eheschließung ein tugendhaftes Leben führt. Anna kniet auf der untersten Stufe der Treppe und begleitet so, mit gefalteten Händen, ihre Tochter. Dorthin weisen auch die Hände Joachims, der mit zwei anderen Männern redet. Auf der obersten der zwölf Stufen steht der Hohepriester im Ornat. Seine rechte Hand ist zum Segensgruß erhoben. Maria schreitet zum Altar hinauf. Ihr Blick aber geht am Priester vorbei durch das offene Fenster in den Himmel.

Unten links: Jesus wird in einem Stall geboren. Das Bild befindet sich genau unter dem von Marias Geburt. Die beiden Szenen entsprechen sich: Nun sieht Maria vom Bett aus zu, wie Jesus in einem (Futter-)Trog gebadet wird. Im Hintergrund schöpft Josef dafür mit einem Krug heißes Wasser aus dem Siedkessel.

Mitte unten: Maria auf dem Sterbebett (siehe nächste Seite).

Die vier Bildtafeln, die sich über dem Mittelschrein schließen, ergeben in dieser Betrachtungsfolge vier wichtige Stationen im „Lebenslauf“ Marias. Dabei entsprechen sich die Bilder übereinander (links: die beiden Geburtsszenen; Mitte: Gang in den jüdischen Tempel; Tod im Kreis der christlichen Apostel).

Auf den Bildern des rechten Standflügels treffen jeweils zwei Menschen zusammen. Sie erzählen sich, daß sie ein Kind erwarten. Oben rechts: begegnen sich Anna und Joachim an der „Goldenen Pforte“ von Jerusalem (legendär).

Unten rechts: Ihr Weg hat die schwangere Maria über das Gebirge zu der ebenfalls schwangeren Elisabeth geführt. Die beiden blicken sich innig an, begrüßen sich und geben sich die Hände. Maria legt ihre rechte Hand auf Elisabeths Bauch und spürt, wie sich darin ihr Kind (d. i. Johannes der Täufer) vor Freude bewegt (vgl. Lukas 1, 39-56).

Das Fehlen des linken Standflügels könnte sich so erklären: Der Altar wurde beim Einzug der Seitenempore (1733) in dieser Ecke aufgestellt. Er tauschte seinen Platz mit dem Sakramentshaus. Dabei wurde dem Marienaltar ein Standflügel abgenommen. Vermutlich zeigte er die „Verkündigung“ an Maria (vgl. dazu Lukas 1, 26-38) und die (legendäre) Aufnahme Marias in den Himmel.

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