Friedensgebet – Kirchengemeinde Ottensoos https://pfarramt-ottensoos.de Evang. Luth. Kirchengemeinde Ottensoos Sun, 28 Jun 2026 13:42:21 +0000 de hourly 1 Auf ein Wort https://pfarramt-ottensoos.de/2021/12/auf-ein-wort-frieden-2/ Wed, 01 Dec 2021 17:36:59 +0000 https://fb.venzel.de/wp_pfarramt/?p=10827 Albrecht Kessel

Wie sah die Welt vor zwanzig Jahren aus? Und was ist in der Zwischenzeit alles passiert? Ich finde das schwer abzuschätzen. Aber wenn ich mir überlege, wie alt wir als Familie vor zwanzig Jahren waren, da wird es deutlich, dass das eine sehr lange Zeitspanne ist. Das Team vom Friedensgebet hat mit einem Gottesdienst Jubiläum gefeiert. Vor zwanzig Jahren gab es mit einem […]]]>
Albrecht Kessel

Wie sah die Welt vor zwanzig Jahren aus? Und was ist in der Zwischenzeit alles passiert? Ich finde das schwer abzuschätzen. Aber wenn ich mir überlege, wie alt wir als Familie vor zwanzig Jahren waren, da wird es deutlich, dass das eine sehr lange Zeitspanne ist.

Das Team vom Friedensgebet hat mit einem Gottesdienst Jubiläum gefeiert. Vor zwanzig Jahren gab es mit einem Krieg den Auslöser, mit den monatlichen Andachten anzufangen. Pfr. Dr. Wolfgang Simon kam als Mitgründer der Gruppe zu dem Anlass nach Ottensoos, um mit dem weiterhin aktiven Team für den Frieden zu beten und Nachdenkliches einzubringen. Die Welt ist in den zwanzig Jahren sicher nicht besser geworden. Das beständige Friedensgebet hilft aber, innerlich nicht aufzugeben, sondern der christlichen Hoffnung Ausdruck zu verleihen. So viel Ungerechtigkeit und Gewalt darf es doch gar nicht geben! Gott, schau hin, was in deiner Welt passiert. Und mach was!

So kann jeder die sorgenvollen Gedanken Gott in die Hand legen. Christliche Hoffnung, die nicht resignieren lässt.

An Weihnachten erleben wir auch wieder eine eigenartige Mischung: aus Sorgen in der vierten Corona-Welle um Angehörige und Freunde, die der Infekt erreicht hat; und dem oft zu Herzen gehenden Familienfest unter dem Weihnachtsbaum. Aber bei dem manchmal zu lieblich gefeierten Fest geht es genau um den hellen Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit der Not. Wo etwas nicht in Ordnung ist, da kommt Gott als Baby zur Welt und wird Mensch. Je älter ich werde und länger darüber nachdenke, desto wunderbarer wird es für mich. Gott ist ganz nah dabei und scheut sich vor keinem menschlichen Problem. Er leidet sogar unter den Bedingungen unserer Welt und was wir Menschen an Kriegen so anzetteln. Aber er bleibt Herr der Lage. Am Ende ist er sogar stärker als der Tod. Das sind Glaubenssätze, die wir mit Leben füllen: durch unsere unbesiegbare Hoffnung.

Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer

]]>
Übergang vom Gottesdienst in den Sonntag https://pfarramt-ottensoos.de/2017/02/uebergang-vom-gottesdienst-in-den-sonntag/ Wed, 01 Feb 2017 16:18:33 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=1036

„Kirchenkaffee? – Du liebe Zeit, da denke ich an dünnen Malventee und abgepackte Plätzchen.“ So äußerte sich ein Herr bei einem kirchenkreisweiten Treffen von Kirchenvorsteher/innen im Haus Eckstein in Nürnberg. Da konnten die Teilnehmer aus Ottensoos nur kontern: Bei uns ist das ganz anders, da gibt es guten Kaffee und nur selbstgemachtes Gebäck. Bei einem […]]]>

„Kirchenkaffee? – Du liebe Zeit, da denke ich an dünnen Malventee und abgepackte Plätzchen.“ So äußerte sich ein Herr bei einem kirchenkreisweiten Treffen von Kirchenvorsteher/innen im Haus Eckstein in Nürnberg. Da konnten die Teilnehmer aus Ottensoos nur kontern: Bei uns ist das ganz anders, da gibt es guten Kaffee und nur selbstgemachtes Gebäck.

Bei einem Blick in die alten Kirchenboten liest man den Hinweis auf den Kirchenkaffee das erste Mal im Februar/ März 97, damals noch mit Verkauf von fairen Produkten (Kaffee, Tee und Schokolade) und seitdem findet einmal im Monat nach dem Gottesdienst diese schöne Veranstaltung statt. Initiiert wurde der Kirchenkaffee von Angelika Ziegler-Lassauer, und mit ihr sind seit diesen Anfängen Lore Kassner und Hella Schlagbaum ohne Unterbrechung im Team. Im Laufe der Jahre fanden sie durch unterschiedliche Helfer Unterstützung: das Ehepaar Balk, Elisabeth Ohr, Traudl Zitzmann, Berta Nepf und Vera Kessel. Seit einigen Jahren wird das Team durch Silvia Pölloth komplettiert.

Dass sich die Teilnehmer immer wohlfühlen beginnt schon damit, dass der Tisch immer einladend und jahreszeitlich passend dekoriert ist. Seit dem Umbau des Gemeindehauses bildet die Bücherei ein ansprechendes Ambiente für das gemütliche Beisammensein.
Neben Tee und Kaffee gibt es immer ein süßes Gebäck, aber auch Brot mit selbst gemachtem Aufstrich – und diese herzhafte Variante kommt immer sehr gut an.

Beim Kirchenkaffee kann der Gottesdienst noch nachklingen, ohne dass unbedingt noch über die Predigt geredet werden muss.
Es ist auf jeden Fall eine andere Form des Gottesdienstes, indem ein weiterer Sinn angesprochen wird, nämlich der Geschmackssinn.

Die Apostelgeschichte erzählt von den ersten Christengemeinden, und da ist immer auch die Rede vom gemeinsamen Mahl. Man geht davon aus, dass es sich dabei nicht nur um das Abendmahl in seiner kultischen Form handelt, sondern dass die Gemeinde nach den Zusammenkünften gemeinsam gegessen hat. Insofern steht der Kirchenkaffee in einer guten Tradition.

Der Kirchenkaffee beschließt auf schöne Art mit guten Leckereien und Gesprächen den Kirchensonntagvormittag. 

Die Kaffeerunde war sehr gemütlich und die Gespräche sehr interessant. Nette Leute von heute!

Mir gefallen die anregenden Gespräche unter Gleichgesinnten in lockerer Atmosphäre; häufig als Nachlese zum Gottesdienst. Das alles bei einem guten Kaffee ist eine tolle Sache. Es wäre schön, wenn noch mehr den Weg in die Bücherei finden würden. 

Ich möchte mich an dieser Stelle einmal ganz herzlich beim Vorbereitungsteam bedanken. Fast jeden Monat genieße ich diesen Service und freue mich jedes Mal darauf. Ich weiß die liebevolle Gestaltung und das leckere Angebot sehr zu schätzen.! 

Es ist schon von jeher schön gewesen bei einem Kaffeekränzchen interessante Gespräche mit Menschen zu führen, die man sonst nicht jeden Tag trifft. So auch beim Kirchenkaffee, wo man sich in ungezwungener Atmosphäre über geistliches und weltliches austauschen kann und so auch die Gemeinschaft pflegt. 


Beliebte Aufstriche beim Kirchenkaffee

Champignoncreme

250 g frische Champignons und 1 kleine Zwiebel fein schneiden
Zwiebel und Chmapignons in 125 g Butter weichdünsten
etwas abkühlen lassen
1 Frischkäse (pur) , etwas Sojasoße, Salz und Pfeffer dazugeben und alles mit dem Pürierstab fein pürieren
(kann gut 1 oder 2 Tage vorher zubereitet werden)

Tomaten – Oliven – Butter

250 g Butter schaumig rühren und mit
1 gr. Dose Tomatenmark
1-2 Knoblauchzehen
1 TL Zitronensaft mischen
100 g schwarze entsteinte kleingehackte Oliven dazugeben
Mit Knoblauchsalz, Knoblauchpfeffer und 1 TL getr. Thymian abschmecken; sehr lecker ist auch etw. abgeriebene Zitronenschale

Avocadoaufstrich

1 reife Avocado
Saft von ½ Zitrone
½ kleine Zwiebel fein geschnitten
1 Knoblauchzehe gepresst
Salz, Pfeffer
200 g Doppelrahmfrischkäse
alles mischen und pürieren


Exotische  Gaumenfreuden

Der Weltgebetstag gehört am ersten Freitag im März in den Jahresablauf des Kirchenjahres und das schon seit Jahrzehnten. Jedes Jahr wird die Liturgie von einem andern Land vorbereitet und dieses Land steht dann im Mittelpunkt des Abends, durch Informationen über Land und Leute in Wort und Bild, durch die biblische Verkündigung, aber eben auch durch das anschließende Beisammensein mit landestypischen Gerichten.

Im Vorbereitungsheft finden sich immer auch Rezepte mit Gerichten aus dem gastgebenden Land, die dann vom Vorbereitungsteam gekocht und angeboten werden. Bisweilen ist es eine Herausforderung, benötigte Zutaten und Gewürze zu finden und auch das Warmhalten der Speisen ist nicht immer einfach, soll doch die Bewirtung gleich nach dem Gottesdienst beginnen. Manch ein Rezept hat auf diesem Wege aber schon Eingang in den sonst üblichen Speiseplan bekommen. Und die Besucher konnten im Laufe der Jahre schon die unterschiedlichsten Länder kulinarisch erkunden, seien es Malaysia, die Bahamas, Chile, Frankreich, Kuba, Ägypten und noch viele, viele mehr.


Essen und Trinken spielen bei vielen Anlässen im Kirchenjahr eine Rolle:

Adventsnachmittag Karpfenessen Posaunenchor Eintopfessen Mitarbeiterfest im Pfarrgarten Kinderbibelwoche Gemeindefest
]]>
21. bundesweites Vernetzungstreffen ökumenischer Friedensgebetsgruppen in Ottensoos vom 23.09. – 25.09.2016 https://pfarramt-ottensoos.de/2016/12/vernetzungstreffen-oekumenischer-friedensgebetsgruppen-in-ottensoos/ Thu, 01 Dec 2016 14:52:11 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=988 Vernetzungstreffen Friedensgebet

Die 48 Teilnehmer/innen kamen aus ganz Deutschland: Mühlheim, Berlin, Dresden, Heroldsberg, Hamburg, Ochsenfurt, Kiel, Würzburg, Cottbus, Nürnberg, Herrenberg, Ulm u. Neu-Ulm, Lemgo, Oberhausen, Bühl, Unterföhring, Münster, Achern, Leipzig, Detmold Keine Zeit für Frieden? Das diesjährige Vernetzungstreffen der Friedensgebetsgruppen begann mit einem Friedensgebet am Freitagabend in der Albanuskirche in Reichenschwand. Da alle Teilnehmer im Hotel Dormero in Reichenschwand untergebracht waren, bot sich dies für den ersten Abend an. Am Samstagvormittag startete das Programm mit […]]]>
Vernetzungstreffen Friedensgebet

Die 48 Teilnehmer/innen kamen aus ganz Deutschland:
Mühlheim, Berlin, Dresden, Heroldsberg, Hamburg, Ochsenfurt, Kiel, Würzburg, Cottbus, Nürnberg, Herrenberg, Ulm u. Neu-Ulm, Lemgo, Oberhausen, Bühl, Unterföhring, Münster, Achern, Leipzig, Detmold

Keine Zeit für Frieden?

Das diesjährige Vernetzungstreffen der Friedensgebetsgruppen begann mit einem Friedensgebet am Freitagabend in der Albanuskirche in Reichenschwand. Da alle Teilnehmer im Hotel Dormero in Reichenschwand untergebracht waren, bot sich dies für den ersten Abend an.
Am Samstagvormittag startete das Programm mit einem Vortrag von Dr. Wolfgang Simon mit dem provokanten Titel „Keine Zeit für Frieden?“

Zuvor hatte Bürgermeister Klaus Falk ein Grußwort gesprochen, in dem er Fontane zitierte: „Es gibt nur ein Mittel sich wohlzufühlen: mit dem Gegebenen zufrieden zu sein.“ Davon ausgehend stellte er die Meinung in den Raum, dass es notwendig sei, dass die westlichen Länder ihre eigenen Ansprüche zurückschrauben müssen, um die anderen nachkommen zu lassen.
Angesichts der immer komplizierter werdenden Weltlage könne man durchaus fragen, was die Arbeit der Friedensgebetsgruppen bringe, aber er sei dankbar für dieses beharrliche Gebet und so überreichte er auch ein Kuvert für die entstandenen Auslagen und wünschte der Gruppe einen regen Erfahrungsaustausch und Zeit, um Kraft zu tanken.

Im anschließenden Vortrag – immer wieder unterbrochen durch Lieder zum Mitsingen – stellte Wolfgang Simon mit einigen Schlaglichtern den Unfrieden der Welt vor die Augen der Teilnehmer und resümierte mit Joachim Gauck: „Unser Herz ist weit, aber unsere Möglichkeiten sind endlich.“
In einem zweiten Punkt ging es darum, der Frage nachzugehen, was Frieden eigentlich sei. Bedeutet Frieden lediglich, dass die Waffen schweigen? Der jüdische Begriff „Shalom“ beinhaltet ein viel umfassenderes Heil-Sein. Nach Rabbi Juda Loew meint Shalom drei Dinge: den Strom, den Vogel und den Topf. Was meint er mit diesen Bildern?

Dr. Wolfgang Simon
Dr. Wolfgang Simon bei seinem engagierten Vortrag

Ein Strom bildet sich, wenn sich viele Rinnsale vereinen und eine gemeinsame Ausrichtung, ein gemeinsames Ziel haben. Dazu braucht es viel Geduld, da ein Strom sein Bett langsam gräbt, aber darin liegt auch eine gewaltige Kraft.

 

Beim Vogel mag man zunächst an die Freiheit des einzelnen denken, doch der Rabbi meint mit dem Vogel die übergeordneten Bereiche der Obrigkeit, die sozusagen über unseren Köpfen schweben. In Deutschland versteht man Obrigkeit oft als Gegner, aber tatsächlich braucht es Grundstrukturen, die dem Schutz der persönlichen Freiheit dienen.

Der Topf ist wieder einfacher zu verstehen. Er steht für die Beziehungen des Menschen. Früher haben alle Familienmitglieder aus einem Topf gegessen und der Frieden bedarf der funktionierenden Primärbeziehungen.

In einem dritten Punkt wendete sich der Vortragende dem Begriff Zeit zu und erläuterte, dass unser Leben in den Bereichen Beruf, Beziehung, Kommunikation und Alltag gegenüber früher einer gewaltigen Veränderung unterliegt und dass alle Bereiche den gleichen Effekt haben, nämlich die der Beschleunigung. Die Motoren der Beschleunigung sind der Wettbewerb, das Leistungsprinzip und das gängige Zeitverständnis. Wer nicht mehr an eine Ewigkeit glaubt, meint alles in diesem Leben unterbringen zu müssen. Wir leben in einer Zeit des „Steigerungsimperativs“, d.h. es ist scheinbar nie genug.

Doch natürlich nützt es nichts, darüber zu jammern, sondern es gilt vorauszuschauen. Was sind die Kriterien für ein gelingendes Leben und damit auch für Frieden? Wolfgang Simon zitierte hier den Soziologen Hartmut Rosa, der hierfür den Begriff der „Resonanz“ nennt. Damit meint er, dass ein Mensch sich von etwas berührt und bewegt fühlt, so wie etwa Resonanz in einem Fußballstadion entsteht, wenn sich Menschen für diesen Sport begeistern lassen.

Fehlende Resonanz gibt es beispielsweise, wenn sich jemand abgehängt fühlt, weil er die modernen Medien nicht mehr versteht und am Bahnsteig kein Schaffner mehr da ist, der ihm erklärt, wie er eine Fahrkarte lösen kann. Solche – banal erscheinenden – Entfremdungserfahrungen machen unfriedlich und aggressiv. Auch manche politischen Vorgänge, z.B. die Abläufe in der EU erscheinen vielen Menschen undurchschaubar, weil sie ungenügend erklärt werden. Die EU steht auch in einem großen Handlungszwang, eben weil heute alles schnell gehen muss, demokratische Prozesse oft langsam ablaufen. Autokratische Systeme wie etwa China haben da einen scheinbaren Vorteil, weil sie schnell entscheiden können.

Der Vortrag endete mit der Frage, welchen Beitrag der christliche Glaube geben kann, was sozusagen die Resonanz des Glaubens ist. Hierbei grenzte sich der Vortragende gegenüber Darwin ab, dessen Verdienst es ist, die Entstehung der Arten biologisch erklärt zu haben, der aber eindeutig seine Kompetenzen überschritten hat, als er auch für den gesellschaftlichen Bereich den Konkurrenzkampf als bestimmende Grundlage verstand. Demgegenüber ist das jüdisch/ christliche Weltbild ein anderes, das auf Resonanz und Frieden abzielt. Der Konkurrenzkampf ist nicht die Seele der Welt sondern ihr hässliches Gesicht und vom wahren Leben abgefallen.
Das Bebauen und Bewahren, das Kultur schaffen ist der Sinn der Welt und erhält jedem Menschen seine Würde.

Das kurzweilig vorgetragene und sehr anschaulich – auch mit einigen kleinen Filmsequenzen – präsentierte Referat, fand großen Applaus, bevor sich die Teilnehmer nach einer Kaffeepause auf die drei Workshops aufteilten.

Die Leiter der drei sich an den Vortrag anschließenden Workshops: Landrat Armin Kroder, Lena Häberlein und Jürgen Schmidt (v.l.n.r.)
Die Leiter der drei sich an den Vortrag anschließenden Workshops: Landrat Armin Kroder, Lena Häberlein und Jürgen Schmidt (v.l.n.r.)

 


 

Im Workshop mit Landrat Kroder zum Thema „Was braucht es für ein friedliches Miteinander im Landkreis?“ war es das Bestreben des Landrats mit den Teilnehmern ins Gespräch zu kommen, nicht darum, ein Referat zu halten. Schnell waren die Teilnehmer bei der Frage, wie im Landkreis die Integration der Flüchtlinge gelingt. Im Landkreis gibt es momentan nicht ganz 1500 Asylbewerber, davon sind 400 anerkannt und die bevorstehende große Herausforderung wird es sein, für diese Menschen Wohnraum zu finden bzw. zu schaffen. Die Erfahrung des Landrates ist es, dass Vorurteile gegenüber Flüchtlingen sich in der Regel in Luft auflösen, wenn man die Menschen kennenlernt. Er ist sehr dankbar, dass sich die Sozialverbände sehr intensiv vor allem um die 150 minderjährigen, unbegleiteten Flüchtlinge kümmern und dass eine große Anzahl von Ehrenamtlichen die Asylbewerber in ihrer schwierigen Situation begleiten. Für das Zusammenspiel der Verwaltung mit den Ehrenamtlichen wurden regelmäßige Treffen ins Leben gerufen, um – durchaus vorhandene – gegenseitige Vorurteile abzubauen und möglichst effektiv zusammen zu arbeiten.

Diskussionsrunde mit Landrat Armin Kroder
Diskussionsrunde mit Landrat
Armin Kroder

Auf die Frage, ob er der Meinung wäre, die Stimmung in Deutschland würde kippen, sagte er, dass er nach wie vor große Hilfsbereitschaft wahrnehme und dass er die große Hoffnung habe, diese Aufgabe gut zu lösen, auch wenn es kein Hundertmeterlauf wäre, sondern ein Marathonlauf, bei dem man nicht schon nach fünf Kilometern schlapp machen dürfe. Insgesamt konnte er glaubhaft vermitteln, dass ihn ein wirklich christliches Menschenbild leitet, welches in jedem Flüchtling den notleidenden Menschen sieht und dass er das Bestreben hat, die heimische Bevölkerung durch Kommunikation einzubinden!


Lena Häberlein stellte in ihrem Workshop „Schafft Bildung Frieden?“ den Verein „Studieren ohne Grenzen“ vor, bei dem sie auch selbst aktives Mitglied ist. Mit den Teilnehmer/innen diskutierte sie die Ideen und deren Umsetzung.

Student/innen engagieren sich für benachteiligte Studienwillige in Krisen-Ländern
Student/innen engagieren sich für benachteiligte Studienwillige in Krisen-Ländern

„Studieren ohne Grenzen“ engagiert sich für Hochschulbildung in Konfliktgebieten. Der Verein vergibt Stipendien an bedürftige Studentinnen und Studenten, trägt zur Verbesserung der Bildungsinfrastruktur bei und sensibilisiert die deutsche Öffentlichkeit für die Lage in den Zielregionen – derzeit sind das Afghanistan, die Demokratische Republik Kongo, Sri Lanka und Tschetschenien.
Die Idee: Nach dem Ende der Kriegshandlungen haben die betroffenen Regionen oft mit instabilen politischen Verhältnissen und einer schwierigen Sicherheitslage zu kämpfen. „Studieren ohne Grenzen“ glaubt, dass gerade diese Regionen junge, qualifizierte Kräfte brauchen, die ihre Heimat friedensschaffend und nachhaltig selbst gestalten oder repressive Systeme von innen heraus verändern können.

Die zahlreichen jungen und motivierten Menschen mit innovativen Ideen wissen genau, woran es ihrer Region mangelt. Allerdings fehlt es oft an Bildungsmöglichkeiten und so wird diesen jungen Menschen die Chance auf den Erwerb von Qualifikationen versagt. Deshalb gibt „Studieren Ohne Grenzen“ bedürftigen jungen Menschen eine Chance auf Hochschulbildung und fördert die Bildungsinfrastruktur vor Ort.

Mit dieser Arbeit sollen junge Menschen dabei unterstützt werden, selbstständig zum Wiederaufbau und zur Versöhnung in ihrer Heimat beizutragen.
Die Kollekte beim Sonntagsgottesdienst kam dieser sinnvollen Arbeit zugute.


Vortragen der Ergebnisse im Plenum
Vortragen der Ergebnisse im Plenum

Beim Workshop „Frieden und Globalisierung“, geleitet von Jürgen Schmidt, konnte dieser Erfahrungen aus seinem langen Berufsleben bei einem sogenannten „Global Player“ einbringen.
Zunächst ging es auch darum zu erfragen, was Frieden eigentlich sei. Die Teilnehmer waren sich einig, dass zum Frieden unbedingt auch die Befriedigung der Grundbedürfnisse, Meinungsfreiheit und Menschenrechte gehören. Im Anschluss wurden Argumente für oder gegen die Globalisierung gesammelt, wobei der Referent beim Mitschreiben der Nachteile kaum Schritt halten konnte. Er betonte jedoch auch, dass bei aller berechtigten Kritik die positiven Aspekte nicht unter den Tisch fallen dürfen wie der freie Handel mit Waren oder die weltweit mögliche Kommunikation. Negativ ist natürlich eine zunehmende Vereinheitlichung, welcher die kulturelle Vielfalt und deren Reichtum zunehmend zum Opfer fällt. Besondere Bauchschmerzen bereitete den Teilnehmern die steigende Macht großer Konzerne, deren Handeln oft nicht demokratisch legitimiert ist. Des Weiteren wurden auch Vorschläge zur Abhilfe gesammelt, manche davon nur schwer umzusetzen, aber auch nach Meinung des Referenten muss die Politik in Zukunft die Aufgabe anpacken, zu erreichen, dass in Zukunft die Steuern in dem Land gezahlt werden, in dem auch die Wertschöpfung stattfindet und eine Steuerflucht unterbunden wird. Außerdem sollte lokale Produktion gefördert werden und der Staat die Grundversorgung, z.B. mit Wasser nicht aus der Hand geben.

 


Am Samstagnachmittag konnten die Teilnehmer/innen dann Ottensoos kennenlernen und zwar wechselten sich drei Gruppen bei Führungen in der Kirche, in der Ehem. Synagoge und im Kulturbahnhof ab.

Der informationsreiche Tag klang mit einer Aufführung des Marionettentheaters aus.

Kirchenführung Kulturbahnhof Kulturbahnhof Marionettentheater


Das Treffen endete am Sonntag mit einem Festgottesdienst unter Beteiligung des Posaunenchorsund und des Frauensingkreises. Pfr. Kessel bündelte das Erlebte mit einer Predigt zum Vers aus dem Römerbrief: „ Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.“ Nach dem Gottesdienst war noch Zeit für eine
Rückmelderunde mit vielen positiven Stimmen:

Es war wichtig so viele Gleichgesinnte zu treffen: berührend, belebend und ermutigend! Sonst fühle ich mich oft vereinzelt. Das Treffen hat mich gestärkt! 

Wir grüßen Ottensoos von unseren Pfarrern daheim und auch von allen anderen, die aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen nicht kommen 

Ich habe noch nie ein Dorf erlebt, das so viel Kultur zu bieten hat!
Nächstes Jahr treffen wir uns in Dresden, aber wir werden Ottensoos nicht toppen können.

 

Vernetzungstreffen Friedensgebet
Vernetzungstreffen Friedensgebet

Wir danken dem Organisationsteam für die tolle Vorbereitung dieses Wochenendes. Es war einfach überragend!
(Die Kirchengemeinde Ottensoos schließt sich diesem Dank an!)

 

]]>