Kirchenführung – Kirchengemeinde Ottensoos https://pfarramt-ottensoos.de Evang. Luth. Kirchengemeinde Ottensoos Sat, 30 Sep 2023 17:18:28 +0000 de hourly 1 Der gotische Altar an der Nordwand von St. Veit https://pfarramt-ottensoos.de/2023/10/der-gotische-altar-an-der-nordwand-von-st-veit/ Sat, 30 Sep 2023 22:05:35 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=12848 Der Altar im geschlossenen Zustand, hier ist leider sehr viel weniger erhalten als beim geöffneten Altar

Ich staune jedes Jahr am Tag des offenen Denkmals, wie viele Menschen sich für unsere Kirche St. Veit interessieren. 70 bis 100 Besucher, überwiegend aus dem Großraum Nürnberg, aber auch aus der Oberpfalz, nehmen an den Führungen teil. Es ist uns Ottensoosern oft gar nicht bewusst, welches Kleinod das Wahrzeichen des Dorfes darstellt, sowohl in seiner äußeren Form als auch […]]]>
Der Altar im geschlossenen Zustand, hier ist leider sehr viel weniger erhalten als beim geöffneten Altar

Ich staune jedes Jahr am Tag des offenen Denkmals, wie viele Menschen sich für unsere Kirche St. Veit interessieren. 70 bis 100 Besucher, überwiegend aus dem Großraum Nürnberg, aber auch aus der Oberpfalz, nehmen an den Führungen teil.

Kaum zu glauben, dass hier nicht mit roter Farbe nachgeholfen wurde, sondern dass die Tafel wirklich nur gereinigt wurde und das nach so vielen Jahren und nach dieser stiefmütterlichen Behandlung!
Kaum zu glauben, dass hier nicht mit roter Farbe nachgeholfen wurde, sondern dass die Tafel wirklich nur gereinigt wurde und das nach so vielen Jahren und nach dieser stiefmütterlichen Behandlung!

Es ist uns Ottensoosern oft gar nicht bewusst, welches Kleinod das Wahrzeichen des Dorfes darstellt, sowohl in seiner äußeren Form als auch hinsichtlich der Kunstschätze im Inneren der gotischen Hallenkirche. In dem Buch „Dorfkirchen in Franken“ von Konrad Bedal, dem ehemaligen Leiter des Freilandmuseums Bad Windsheim, wird die Ottensooser Kirche St. Veit zu den 50 aussagekräftigsten und auch schönsten Kirchen im gesamten fränkischen Raum, einschließlich des baden-württembergischem Main-Tauber-Kreises und des Landkreises Eichstätt, gezählt.

Deshalb sollen im Folgenden die vier Bildtafeln des gotischen Altars an der Nordwand vorgestellt werden. Wie dieser Altar ursprünglich in seiner Gesamtheit ausgesehen hat, einschließlich der Lindenholzfigur des Hl. Veit, die jetzt zwischen Marienaltar und Sakramentshaus zu finden ist und der übrigen Figuren, ist dem Modell, das rechts neben dem Altar angebracht ist, zu entnehmen.

Der Altar des Hl. Veit war seit etwa 1470 im Altarraum, der jetzt vom barocken Hochaltar dominiert wird, zu finden. Im Jahr 1698/99 wurde er jedoch durch eben jenen barocken Altar ersetzt. Er war sozusagen „überflüssig“ geworden. Die Altartafeln wurden als Gerüstbretter verwendet, eine Tafel wurde zu einer Tür „umgebaut“, eine andere Tafel wurde zersägt und als Abdeckplatte für den neuen Altar verwendet. Ein für uns Heutige unfassbarer Vorgang. Aber irgendwann hat jemand sich der Altartafeln dann doch angenommen, hatte sozusagen Mitleid mit ihnen, und sie in die Schatzkammer, den kleinen Fachwerkturm, an der Südostseite der Kirche gebracht.

In seinem 1983 erschienenen Buch „Ottensoos – Aus der Geschichte eines Dorfes im Nürnberger Land“ schreibt Wilhelm Schwemmer von „vier ruinösen, beiderseits bemalten Altarflügeln, Christus und St. Veit sowie Szenen aus dem Neuen Testament und der Legende des St. Veit.“

Diese „ruinösen Altarflügel“ würden noch immer in der Schatzkammer ruhen, hätte nicht der damalige kunsthistorisch sehr interessierte Pfarrer Arnulf Elhardt die stark in Mitleidenschaft genommenen und staubigen Tafeln aus der Schatzkammer geholt, sie den Kunsthistorikern des Germanischen Nationalmuseums gezeigt und veranlasst, dass diese Tafeln restauriert wurden. Der Heroldsberger Restaurator Oellermann renovierte 1992 die Innenflügel, 1995 kamen noch die beiden Außenflügel dazu, so dass seit Dezember 1995 die Altartafeln die Nordwand unserer Kirche schmücken.

Die Predella, der Unterbau (bemalter Sockel), wurde zuletzt restauriert.

Der Altar informiert die Betrachter über die Legende des Hl. Veit. Diese Bilder waren für unsere Vorfahren sehr wichtig, konnten doch nur die wenigsten lesen. Anhand der Bildtafeln lernten sie die Geschichte des Kirchenpatrons kennen.

Beeindruckend sind die kräftigen bunten Farben des Altars, der „nur gereinigt und zusammengesetzt“ wurde, nicht mehr vorhandene Teile wurden nicht ergänzt, sondern die Tafel blieb in diesem Bereich leer. Erhalten geblieben sind die Originalfarben.

Die linke der beiden Innentafeln zeigt den auferstandenen Christus, die Dornenkrone tragend, der dem Betrachtenden seine Wundmale zeigt. Auf der rechten Innentafel ist der Hl. Veit zu sehen, dargestellt als modisch gekleideter junger Mann im Stil der Renaissance, auf Christus zugehend. Auffallend sind seine Schuhe, sogenannte Tippen, die beim Betreten des Hauses ausgezogen wurden, um die Wohnung nicht zu beschmutzen. In den Händen hält er seine Attribute, das Buch, auf welchem ein Hahn steht. Veit oder lateinisch Vitus war ein sehr wichtiger Heiliger. Er galt schon seit dem Mittelalter als Helfer unter anderem bei Nervenkrankheiten, Epilepsie (auch dem sogenannten Veitstanz), Schlangenbiss, Aufregungen, Augenkrankheiten, Unfruchtbarkeit, für eine gute Ernte, fungierte als Schutzpatron für die Haustiere. Zentren seiner Verehrung waren Saint-Denis in Frankreich, und natürlich der Veitsdom in Prag. Innerhalb Deutschlands wurde er in vielen Orten Nordrhein-Westfalens verehrt, so im Kloster Corvey, auch ist er auf dem alten Stadtwappen von Mönchengladbach zu finden. Aber auch in unserer Gegend ist er durchaus anzutreffen. Sogar im Lied der Franken kommt er vor („Zum heil’gen Veit von Staffelstein …“). Es gibt mehrere Wetterregeln, die ihn nennen, so beispielsweise: An St. Vitus viel Donner bringt fruchtbaren Sommer. Sein Namenstag, und das wissen wir Ottensooser alle, ist der 15. Juni. Um diesen Tag herum feiern wir unsere Kirchweih.

Der Namensgeber unserer Kirche und dieses besonderen Altars, der heilige Veit
Der Namensgeber unserer Kirche und dieses besonderen Altars, der heilige Veit

Wenden wir uns nun den Szenen auf den vorderen Außentafeln zu (siehe die Titelseite des Gemeindebriefs). Auf ihnen wird in vier Bildern das Martyrium des Heiligen dargestellt. Der Legende nach stammt er aus Lucanien auf Sizilien. Veit, der durch seinen Lehrer Modestus und seine Amme Kreszentia Christ geworden ist, muss verschiedene Martern ertragen, da sein Vater ihn vom christlichen Glauben abbringen will. So sehen wir auf der oberen linken Tafel, wie Veit sich weigert ein Götzenbild anzubeten, das auf einer Säule steht. Im unteren Teil befindet sich Veit mit Modestus und Kreszentia in einem Kessel, den zwei Soldaten schüren. Auf der Tafel rechts wird Veit von Soldaten geschlagen, um seinem Glauben abzuschwören. Ein interessantes Detail stellt der Mann im vom Betrachter aus gesehenen linken Eck dar. Es soll sich um Veits Vater handeln, der dem grausigen Schauspiel zusieht. Darunter ist Veit an Händen aufgehängt mit Modestus zu sehen, Kreszentia fehlt, da diese Tafel leider beschädigt wurde.

Die Rückseiten (Seite 9) sind nicht mehr ganz deutlich erkennbar. Aber auch sie handeln vom Martyrium des Heiligen. Auf der linken oberen Tafel ist Veit, mit Lehrer und Amme zu sehen, wie sie (vielleicht) an einem See beten. Diese Szene weist wohl schon auf die Rettung und das überstandene Martyrium hin. Darunter soll Veit durch Spielleute und schöne Frauen von seinem Glauben abgebracht werden. Im unteren Teil auf dem rechten Flügel (leider ist diese Tafel sehr beschädigt) sieht man Veit in der Löwengrube. Doch die Löwen sind dem Heiligen gegenüber ganz zahm. Sehr schwierig fällt die Deutung des oberen Bildes. Da jedoch zusätzlich zu mehreren Gestalten (eventuell) noch ein Esel oder ein Pferd abgebildet ist, könnte es sich um die Heilung des Sohnes des römischen Kaisers Diokletian, der um etwa 300 n. Chr. regierte, handeln (so Pfr. Elhardt in einem Aufsatz der Altnürnberger Landschaft). Übrigens hat Veit alle seine Martyrien überstanden. Durch einen Engel soll er in seine Heimat zurück gebracht worden sein, wo er in Frieden starb.

Vielleicht sind sie, liebe Gemeinde, neugierig geworden und sehen sich bei einem Ihrer Kirchenbesuche oder während der Öffnungszeiten unseren wunderschönen Veitsaltar einmal genauer an. Sie können mich auch gerne dazu ansprechen.

Veit ist übrigens in unserer Kirche sehr oft anzutreffen. Er ist dargestellt in die sehr kostbar gearbeiteten, oben schon erwähnten Lindenholzfigur, sitzend als gelockter Jüngling, außerdem ist er in der Predella des Jungfrauenaltars, beim Kanzelaufgang, bei den Nothelfern zu finden (mit Buch und „loderndem“ Feuerkessel in der Hand). Im Altarraum kann man ihn dreimal betrachten. Besonders erwähnenswert ist die kleine Holzfigur seitlich des Sakristeieingangs. Als Kopfbedeckung trägt er eine Hermelinmütze, die ihn als Kurfürst ausweist. Dies hängt damit zusammen, dass Veit der Nationalheilige der Böhmen und Mähren ist und der König von Böhmen einer der sieben Kurfürsten war.

Die Predella (siehe Bild unten) hat im Laufe der Jahrhunderte leider sehr gelitten. Nur wenige der vierzehn Nothelfer sind zu erkennen. Oftmals ist man auf Vermutungen an Hand der Attribute angewiesen. Die Restaurationsfirma Oellermann hat versucht, die teilweise kaum erkennbaren Gestalten zuzuordnen. Rechts neben dem Altar können Sie die dazugehörigen Informationen finden.

Die Predella ist der untere Abschluss des Altars
Die Predella ist der untere Abschluss des Altars

Bei der Kirchenführung am „Tag des offenen Denkmals“ überreichte Marion Utzat aus Schönberg ein tolles Buch, das sie selbst gezeichnet und geschrieben hat zum Thema der 14 Nothelfer. Sie sagte, dass sie damit das Ehrenamt würdigen will und hat das Buch (etwas größer als DIN A 3 Format) der Kirchengemeinde Ottensoos gewidmet. Hier die beiden Seiten zum Heiligen Veit.

 

Reinhold Pürkel

Ouellen: Pegnitzzeitung, Weihnachtsausgabe 1995; Kirchenbote Ottensoos Dez. 95/Jan 96; Legenda Aurea; Altnürnberger Landschaft e.V., Dezember 1996; Dorfkirchen in Franken, Konrad Bedal 2015; Ottensoos, aus der Geschichte eines Dorfes im Nürnberger Land, Wilhelm Schwemmer, 1983; Ottensoos, Ein Streifzug durch elf Jahrhunderte Geschichte, Martin Schieber, 2003

Bildnachweis: Huth

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Kirchenführer Seite 15 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-15/ Tue, 15 Jan 2008 01:36:25 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=684 Impressum

Dieser Kirchenführer basiert weitestgehend auf dem Führer in Heftform. Für diesen gilt:

Herausgeber: Evang.-Luth. Kirchengemeinde Ottensoos

Sonnenuhr an der Südwand (1903)
Sonnenuhr an der Südwand (1903)

Redaktion: Udo G. Schmoll, Pfarrer

Texte: Pfr. Udo G. Schmoll (Seite 2-8, 10, 11, 18, 20),
Pfr. Amulf Elhardt (Seite 2, 3, 9, 13-15, 17, 19)

Fotos: H. Köstler, Lauf (1990); Seite 4, 5 U. Schmoll,
Titelbild: Ofr. Ansichtskartenverlag, Bayreuth.

Druck: Verlag E. Riedel GmbH, Gunzenhausen (1991)

Ein besonderer Dank gilt Herrn Pfr. Chr. Reichenbacher, Landeskirchenamt München, für die Beratung und Herrn Th. Dürr für das Lektorat.

Literaturhinweise:
W. Schwemmer, „Ottensoos“, Nürnberg 1983
W. Meyer/ W. Schwemmer: „Kunstdenkmäler Bayerns; Mittelfranken Bd. XI: Landkreis Lauf a. d. Peg.“, München 1966, S. 352-377

Die Kirche ist wöchentlich Samstag und Sonntag geöffnet. In den Sommermonaten auch während der Woche am Nachmittag.
Es besteht die Möglichkeit zur Kirchenführung durch ausgebildete Kirchenführer/ -innen. Interessenten wenden sich bitte an das Evang.-Luth. Pfarramt Ottensoos, Telefon 09123/2191.

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Kirchenführer Seite 14 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-14/ Mon, 14 Jan 2008 01:33:54 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=682 Kirchengemeinde am Ort

Die Anfänge der Kirchengemeinde sind nur lückenhaft aufzuspüren. Abgesehen von der Weihe der ersten Kapelle um 1060 (vgl. S. 13), erfahren wir, daß 1297 der erste Pfarrer in Ottensoos eingesetzt wurde. Nachdem sich Nürnberg 1525 der Reformation Luthers anschloß, konnte schließlich 1528 der erste evangelische Pfarrer berufen werden. In der Zeit der Gegenreformation sollte in dem Ganerbengebiet um den Rothenberg die katholische Konfession wieder eingeführt werden. Auf das hartnäckige Drängen der Stadt Nürnberg hin konnte Ottensoos aber als Ausnahme evangelisch bleiben.

Seit Gründung der Pfarrei gehören zur Kirchengemeinde Ottensoos, neben dem Ort selbst, die Dörfer Rüblanden und Weigenhofen. Gegenwärtig zählt die evangelische Gemeinde 1650 Glieder.

Sowohl dörfliche Traditionen wie die heutigen örtlichen Erfordernisse prägen das Gemeindeleben. Um die Kirche herum fallen dem Besucher die liebevoll gepflegten Gräber auf. Der sonntägliche Gottesdienst wird als Höhepunkt in der Woche erlebt. Dazu laden wir Sie herzlich ein.

Das Gemeindehaus gegenüber dem Haupteingang der Kirche war früher das alte Schulhaus. Heute findet hier ein großer Teil des kirchlichen Lebens statt: der 1905 gegründete Posaunenchor probt hier und der Frauensingkreis sowie der Kinderchor treffen sich zum Einstudieren der Lieder. So ist Ottensoos einerseits das „Singende Dorf“, andererseits leisten die Chöre ihren wichtigen Beitrag für die Gemeinde. Wöchentlich treffen sich auch Jungschar, Kinder- und Jugendgruppen hier. Am Freitag ist die Bücherei mit einem breiten und interessanten Angebot geöffnet.

Zu Kirchenführungen steht Ihnen ein ausgebildetes Team von Kirchenführern zur Verfügung. Das Pfarramt vermittelt Ihnen gerne nach telefonischer Vereinbarung eine Führung (Adresse und Telefon siehe Impressum).

Für Ihren weiteren Weg wünschen wir Ihnen Gottes Segen!

Der Herr segne deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

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Kirchenführer Seite 13 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-13/ Sun, 13 Jan 2008 01:31:50 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=674 Ich bin der Weinstock…

Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der barocke Hauptaltar (10) beim Laufer Schreinermeister Balthasar Götz in Auftrag gegeben (1698). Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Haus mit Dach. Doch der (untere) „Dachgiebel“ explodiert. Der aufgesprengte Giebel eröffnet roch oben eben Raum für ein neues „Haus“.

Der auferstandene Christus im oberen Teil des barocken Hauptaltars
Der auferstandene Christus im oberen Teil des barocken Hauptaltars

Alles strebt aufwärts: Die Schlangensäulen winden sich nach oben, das Rankenwerk mit den Trauben wächst in die Höhe und die goldenen Flammen im Hintergrund lodern auf. So werden die Blicke von der Beweinung Christi (gotisch; um 1500) im „unteren Haus“ nach oben hin zur Auferstehung gezogen.

Unten in der Mitte des Altares beweinen der Jünger Johannes, die Mutter Maria und die Jüngerin Maria Magdalena den toten Jesus. Seinen gemarterten und zerbrochenen Körper halten sie fassungslos in ihrer Hand.

Über dem schwarzen Kreuz flammen die Strahlenzungen der Ostersonne schon nach oben: Vor einer goldenen Muschel steht der auferstandene Christus. Er wird von zwei Engeln flankiert, die in der einen Hand einen Siegeskranz und in der anderen einen Palmzweig haben. Sie verdeutlichen so den Sieg Jesu Christi über den Tod. Der Altar zeichnet den Weg von der Trauer zum Leben und vom Tod zur Auferstehung nach.

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Kirchenführer Seite 12 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-12/ Sat, 12 Jan 2008 01:28:50 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=673 Gemeinschaft der Heiligen

Der Frauenaltar (14) mit seinen Schnitzereien und Gemälden stammt von denselben Meistern und aus derselben Zeit (um 1510) wie der Marienaltar (4) Im Mittelschrein sind die „Heiligen drei Madel“ zu sehen, die öfters zusammen als Gruppe dargestellt werden. Die Kronen, die sie tragen, erinnern an ihre adelige Herkunft. Die Ottensooser „Drei-Kronen-Brauerei“ hat sich nach ihnen benannt. Alle drei waren Prinzessinnen, die wegen ihres christlichen Glaubens den Märtyrertod auf sich nahmen. Jede von ihnen ist einem der mittelalterlichen Stände zugeordnet (von links nach rechts): Barbara mit dem Kelch den Rittern und Soldaten, Katharina mit dem Schwert den Gelehrten und Adeligen, Magarete mit der Bibel und dem Palmzweig den Bauern.

Barbara mit dem Kelch, Ausschnitt aus dem Frauenaltar
Barbara mit dem Kelch, Ausschnitt aus dem Frauenaltar

Auf dem rechten Seitenflügel ist die Erzapostelin Maria Magdalena mit einem Salbgefäß dargestellt. Sie kam zum Friedhof, um den toten Leichnam Jesu zu salben. Dabei wurde sie zur ersten Zeugin seiner Auferstehung und bekam als erste den Auftrag, die frohe Botschaft in die Welt zu tragen.

Auf dem linken Seitenflügel ist die Hl. Odilie zu sehen, die besonders bei Augenleiden angerufen wurde. So gab es für die vielfältigen Leiden und Unglücksfälle die verschiedenen Heiligen. Von den „14 Nothelfern“ finden sich unten in der Predella nur zwölf. Von links nach rechts sind es: Pantaleon, Egidius, Georg mit Drachen | Nikolaus mit drei goldenen Kugeln, Katharina, Veit mit Siedekessel, Margarete, Urban, Blasius | Christopherus, Achatius, Eustachius.

Beim geschlossenen Altar sind oben (v. 1. n. r.) Margarete, Barbara, Katharina und Apollonia zu sehen. Letztere ist mit einer Zange dargestellt; sie wurde bei Zahnschmerzen angerufen. Unten auf der Rückseite der Predellenflügel sind Dorothea, Ursula, Agnes und Christina zu sehen. Die Heiligen stehen vor einem edlen Vorhang und tiefblauem Hintergrund, sozusagen an der Trennwand zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Diese Stellung läßt sie zu Fürsprechern für die Menschen werden. Nicht nur diese Heiligen bilden eine Gemeinschaft. Alle, die getauft sind, gehören zur „Gemeinschaft der Heiligen“ und teilen so denselben Glauben, für den es lohnt, sich einzusetzen

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Kirchenführer Seite 11 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-11/ Fri, 11 Jan 2008 01:27:14 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=672 Schatztruhen

Als die Veitskirche im Mittelalter noch katholisch war, brauchte man in der Nähe des Altars einen Ort für die geweihten Hostien. Links neben dem Hochaltar konnten diese auch unter der Woche in der Sakramentsnische (9) verehrt werden. Sie ist vor 1450 geschaffen worden und schmückte schon die alte zerstörte Vorgängerkirche. Damit ist sie nach dem Glasmedaillon (18) das ältestes Stück hier.

Sakramentsnische; gotisch vor 1450
Sakramentsnische; gotisch vor 1450

Das Tabernakel wird von einem dreieckigen Giebel (sog. Wimperg) bekrönt. In seiner Mitte blickt das Gesicht Christi den Betrachter mit großer Ruhe an. Auf den beiden Schmucktürmchen daneben wachen zwei En11gel. Heute ist in der Sakramentsnische ein leeres Arm-Reliquiar zu sehen. Darin wurde früher ein Erinnerungsstück eines Märtyrers aufbewahrt.

1522 – drei Jahre bevor sich der Rat der Stadt Nürnberg und damit Ottensoos zur Lehre Luthers bekannte – blühte die Sakramentsverehrung im Leben der Gemeinde und ihrer Pestbruderschaft so sehr, daß man sich zu einem neuen und größeren Sakramentshäuschen (6) entschlossen hatte. Es ist den Werken von Veit Wirsberger ähnlich. Die ehemals dreischiffige Kirche wurde vermutlich deswegen um ein weiteres schmales Schiff im Norden erweitert. Dort, wo jetzt der Marienaltar steht, könnte das Sakramentshäuschen bis zum Einbau der Empore (1733) gestanden haben.

Der Sakaramentsturm verjüngt sich nach oben hin. In seinem obersten Teil ist der auferstandene Christus zu sehen. Die Figur ist aus einem anderen Material, aus Holz, geschnitzt, denn der auferstandene Herr unterscheidet sich seit Ostern von seiner früheren Existenzweise. Er hat die Hände zum Segen erhoben und zeigt seine Wundmale. So verdeutlicht dieses Werk, daß Christus im Abendmahl auf neue und verborgene Weise gegenwärtig ist.

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Kirchenführer Seite 10 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-10/ Thu, 10 Jan 2008 01:25:02 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=671 Ein feste Burg…

Wer vom Dorfplatz her zur Veitskirche hinaufgeht, dem fallen zunächst einmal die Wehrmauern auf. Nach der verheerenden Zerstörung der Kirche im 1. Markgrafenkrieg (1450) wurde die Verteidigungsanlage verbessert (A). Seitdem diente die Kirchenburg im Falle eines feindlichen Angriffs der Bevölkerung als Zufluchtstätte. Auch die jüdischen Einwohner von Ottensoos, die ihre Synagoge am Dorfplatz hinter dem Rathaus hatten, fanden hier Schutz. Die Geschichte der Ottensooser Judenschaft, die seit 1531 nachweisbar ist, fand durch den nationalsozialistischen Terror ein jähes Ende.

Glasmedallion über dem Südportal (Ende 13. Jh.): "Der thronende Christus"
Glasmedallion über dem Südportal (Ende 13. Jh.): „Der thronende Christus“

Der Dreißigjährige Krieg brachte die Feuerprobe für die Wehranlage. Der Angriff, der 1631 erfolgte, konnte nicht abgewehrt werden. Dorf und Kirche gingen in Flammen auf.

Heute ist der doppelte Mauerring nur noch in seinem Verlauf erkennbar. Von dem Wehrgang ist an der Ostseite noch etwas zu entdecken. Im 19. Jahrhundert wurden die Anlagen (z. B. die Scheunen, der Backofen und ein Turm in der Nordwestecke des inneren Mauerrings) überflüssig und deshalb beseitigt.

(18) Glasmedallion über dem Südportal (Ende 13. Jh.): „Der thronende Christus“
Seit Alters her umgibt der Friedhof die Kirche. 1955 wurde im Pegnitzgrund zwar ein neuer Friedhof angelegt, doch weist der alte Friedhof die Besucher weiter auf den Tod hin und „daß wir hier keine bleibende Statt haben“. (Hebr. 13, 14). So wird der Friedhof ein besonderer Ort der Begegnung von Vergangenheit und Zukunft, von Leben und Tod. Der umzäunte „Garten“ erinnert auch an das Paradies, in dem die jüdische und christliche Heilsgeschichte begonnen hat, und schlägt einen Bogen zu dem Garten, in dem der auferstandene Jesus Maria Magdalena begegnet ist.

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Kirchenführer Seite 9 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-9/ Wed, 09 Jan 2008 01:22:48 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=670 Wie Veit nach Ottensoos kam

Ottensoos wird 903 erstmals urkundlich erwähnt. Die Pegnitz ist die Grenzlinie zwischen den Bistümern Bamberg und Eichstätt. Im 11. Jahrhundert organisierte Bischof Gundekar II. den nördlichen Teil des Bistums Eichstätt neu; dabei weihte er 1060/61 hier einen Altar oder eine Kapelle. Das Recht zur Pfarrstellenbesetzung hatten zuerst die Pfarrei Offenhausen, dann das Kloster Engelthal und seit 1504 die Freie Reichsstadt Nürnberg.

Von Nürnberg aus führte die „Goldene Straße“ über Lauf, Hersbruck, Amberg und Pilsen nach Prag. Der Patron der „Goldenen Stadt“ ist der Hl. Veit. So gab es auch an dieser Handelsstraße eine Veitskirche. Sie wurde nach dem Brand im 1. Markgrafenkrieg 1450-1480 neu errichtet.

St. Veit, Lindenholzfigur um 1500
St. Veit, Lindenholzfigur um 1500

Der Heilige Veit selbst lebe im 3. Jh. und stammte aus Sizilien. Das mittelalterliche Heiligenbuch, die „Legenda Aurea“, erzählt die bewegende Märtyrergeschichte. Durch seine Erzieher Modestus und Crescentia ist er zum christlichen Glauben gekommen. Die beiden sind als Reliefs an der Wand rechts neben dem Südportal zu sehen (20). Sie waren bis 1903 auf den Seitenflügeln des Hauptaltars angebracht.

Der junge Veit prallte um 300 auf den Machtanspruch des römischen Kaisers Diokletian. Er soll nach verschiedenen wunderbaren Taten wie seine Zieheltern – den Märtyrertod in einem siedenden Kessel erlitten haben (vgl. die Figur in der Predella des Frauenaltars (14). Im Mittelalter wurde er bei Fallsucht („Veitstanz“) und anderen Krankheiten angerufen. Der Veit ist in dieser Kirche noch öfters zu entdecken:

  • (5) Als Dreiviertelplastik steht er jetzt zwischen dem Marienaltar und dem Sakramentshäuschen. Die gotische Figur aus Lindenholz war von 1500 bis zum Brand der Kirche im Dreißigjährigen Krieg im Mittelschrein des Hauptaltars.
  • 1698 wurde der neue Hauptaltar geschaffen. In ihm stand bis zur Renovierung 1903 die barocke Figur (8), die jetzt mit zwei gotischen Engeln an der nördlichen Chorwand thront.
  • Ein Glasbild (11) zeigt Veit mit einem Hahn (um 1500).
  • An der südlichen Chorwand daneben (2) ist er mit den Insignien und in der Tracht des sächsischen Kurfürsten, dessen Patron er war, ausgestattet.
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Kirchenführer Seite 8 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-8/ Tue, 08 Jan 2008 01:19:44 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=669 Kommt, ihr seid geladen

Der Tisch ist gedeckt. Brot und Wein liegen auf dem Altar. „Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist, wohl dem, der auf ihn traut!“ Mit diesen Worten sind wir zum Abendmahl eingeladen. Brot und Wein werden für uns im Abendmahl zu Zeichen der Nähe Gottes.

Im Hintergrund unserer Abendmahlsfeier steht – wie oben auf dem Bild auch – das Mahl, das Jesus vor seinem Tod gefeiert hat. Jesus sitzt in der Mitte seiner zwölf Jünger. Sein Blick ruht auf Johannes, der sich bei ihm anlehnt. Jesus legt seinen linken Arm auf seine Schulter. Petrus, der andere Nachbar Jesu, beobachtet neidisch die beiden.

Abendmahl
Abendmahl

Die Stimmung im Raum ist nachdenklich und betroffen. Die Szene hält den Augenblick fest, in dem Jesus sagt: „Doch siehe, die Hand meines Verräters ist mit mir am Tisch… Und sie fingen an, untereinander zu fragen, wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde“ (Lukas 22, 21-23).

Wer unter ihnen ist der Verräter? Der, der links außen an der Ecke sitzt und gleich fortgehen könnte? Oder sein Gegenüber am anderen Ende des Tisches? Es könnte auch sein Nachbar sein, der seine Hand vom Tisch zieht. Oder ist Judas der dritte von links, der etwas – vielleicht einen Beutel mit dem Kopfgeld – unter seiner Hand verbirgt? Oder sein Nachbar, der einen Brocken Brot in der Hand hält? Vielleicht ist es jemand ganz anderes! Die ganze Szene läßt den Betrachter vermuten: „Wer es wohl wäre, der das tun würde … Bin ich’s?“ (Matthäus 26, 22)

Alle sind im Abendmahl eingeladen, die Nähe Jesu zu spüren. Seine rechte Hand liegt segnend auf dem Tisch und er spricht „Nehmt und eßt, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Nehmt und trinkt alle aus diesem Kelch; das ist der neue Bund, der durch mein Leben und Sterben zwischen Gott und euch geschlossen ist.“ Darin findet das Abendmahl, das wir feiern, seinen Grund.

Die Kelche, aus denen wir hier in Ottensoos trinken, sind fast 400 Jahre alt. Gemeinsam mit den Generationen vor uns und mit allen Christen haben wir teil am Brot des Lebens und am Kelch des Heils.

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Kirchenführer Seite 7 https://pfarramt-ottensoos.de/2008/01/kirchenfuehrer-seite-7/ Mon, 07 Jan 2008 01:17:22 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=668 Wer so stirbt, der stirbt wohl

Marias letzte Stunde ist gekommen. Die zwölf Apostel umgeben sie. Daß sie da sind, tröstet sie. In ihren Gesichtern spiegelt sich der Ernst der Stunde. Jetzt heißt es Abschied nehmen von einem lieben Menschen.

"Tod Mariens", Bildtafel am Marienaltar (Hans-von-Kulmbach-Schule; um 1510)
„Tod Mariens“, Bildtafel am Marienaltar (Hans-von-Kulmbach-Schule; um 1510)

Johannes hält die Kerze fest, die er Maria in die Hand gesteckt hat. Sie spürt, daß Christus, das Licht der Weit, ihr nahe ist in diesem Augenblick. Zwei Apostel lesen Worte aus der Bibel, andere beten. Philippus hält das Kreuzzeichen. Es ist aufgerichtet und ein Zeichen der Hoffnung über dieses Leben hinaus. Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Wie sterben heute Menschen? Alleine? Die gesammelte Art der Darstellung ermutigt uns, Nähe zu geben und Nähe zu suchen. Das geöffnete Fenster hinter dem Kreuz weist hin auf die Ewigkeit Gottes, auf das Leben in seiner Herrlichkeit.

„Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt du dann herfür, wenn mir am allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten kraft deiner Angst und Pein.“

(P Gerhardt: „0 Haupt voll Blut und Wunden“, EKG 63, V. 9)

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