Konfirmation – Kirchengemeinde Ottensoos https://pfarramt-ottensoos.de Evang. Luth. Kirchengemeinde Ottensoos Sun, 28 Jun 2026 14:00:06 +0000 de hourly 1 Konfirmandenuntericht in neuer Gestalt https://pfarramt-ottensoos.de/2025/02/konfirmandenunterricht/ Fri, 31 Jan 2025 23:42:19 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=13300

Seit diesem Jahr findet der Konfirmandenunterricht regional gemeinsam mit Schönberg und Reichenschwand statt. Verantwortet wird dieses Modell vom Dekanatsjugendreferenten Matze Rapp. Interview mit Matze Rapp Gib uns bitte ein paar persönliche Daten zu deiner Person. Wie war dein beruflicher Werdegang? Was macht dir besonderen Spaß/ besondere Freude an der Arbeit mit Jugendlichen? Was betrachtest du als größte Herausforderung? Was würdest du dir wünschen, wenn […]]]>

Seit diesem Jahr findet der Konfirmandenunterricht regional gemeinsam mit Schönberg und Reichenschwand statt. Verantwortet wird dieses Modell vom Dekanatsjugendreferenten Matze Rapp.

Interview mit Matze Rapp

Gib uns bitte ein paar persönliche Daten zu deiner Person.

Große gemeinsame „Abendmahlstafel“ mit Matze Rapp am „Tischende“
Ich bin hier im Dekanat Hersbruck Dekanatsjugendreferent, 40 Jahre alt, verheiratet und wohne in Egloffstein. Da kommt meistens gleich die Frage: so weit weg? Ja, das ist nicht gleich ums Eck, aber ich habe einen festen Bürotag im Jugendhaus in Eschenbach und kann manches auch im Homeoffice erledigen, z.B. eine Freizeit durchkalkulieren.

Wie war dein beruflicher Werdegang?

Ich habe meine Ausbildung am theologischen Seminar „Missionsschule Unterweissach“ gemacht, mein Anerkennungsjahr in Stuttgart, dann bin ich mit meiner Frau Sonja hierher gekommen. Hier war ich zunächst CVJM-Sekretär in Lauf und dort auch mit der Jugendarbeit betraut. Das war ein spendenfinanzierter Job, der nur zweimal verlängert werden konnte und so bin ich beim Dekanat Hersbruck als Jugendreferent gelandet. Hier wird mir viel Vertrauen entgegengebracht und ich kann in großer Freiheit meine Vorstellungen verwirklichen, so dass ich mich bestens aufgehoben fühle.

Was macht dir besonderen Spaß/ besondere Freude an der Arbeit mit Jugendlichen?

Diese Aufgabe ist so ungemein bunt und vielfältig und ich bin einfach gern mit den Jugendlichen zusammen, um ihnen vom Glauben zu erzählen. Ich lerne so viele tolle junge Menschen kennen, dass es eine Freude ist. Ich fahre auch gern auf Freizeiten mit ihnen.

Was betrachtest du als größte Herausforderung?

Zugang zu den Jugendlichen zu bekommen ist recht einfach, aber sie über die Zeit hinweg zu halten ist oft schwierig. Mit 14 werden sie konfirmiert, sie zu Mitarbeitern auszubilden dauert dann noch ein Jahr, und oft gehen sie dann mit 18 weg, um zu studieren oder eine Ausbildung zu machen.

Was würdest du dir wünschen, wenn du einen Wunsch frei hättest?

Ich wünsche mir Frieden auf der Welt und einen positiven Blick auf die Zukunft. Seit Corona merke ich in Gesprächen, dass Jugendliche Angst vor der Zukunft haben, das war vorher definitiv nicht so.

Danke für das Interview

 

Konzept des regionalen Konfirmandenunterrichts

In diesem Jahrgang werden 45 Jugendliche aus den drei Orten von Matze Rapp und seinem Team zur Konfirmation geführt. Sie treffen sich alle 14 Tage von 17-19 Uhr, heute wird es auch mal 20 Uhr, weil gemeinsam gegessen wird.

Die Orte werden durchgewechselt, zu Beginn war Reichenschwand an der Reihe, momentan ist Schönberg der Treffpunkt und im letzten Drittel vor der Konfirmation werden die Jugendlichen in Ottensoos sein. Außerdem gibt es zwei Freizeiten, am Anfang der Konfirmandenzeit waren die Jugendlichen in Oberschlauersbach und am Ende werden sie noch gemeinsame Zeit auf der Burg Wernfels verbringen. Es gibt auch Konfisamstage in der eigenen Gemeinde, z.B. besuchen in Ottensoos die Konfirmanden Mitarbeiter der Kirchengemeinde und interviewen sie oder bereiten den Vorstellungsgottesdienst vor.

Ganz wesentlich in die Aufgabe eingebunden sind bereits konfirmierte Mitarbeiter/innen, sogenannte Teamer, die Matze Rapp tatkräftig unterstützen.

Von den Gemeinden wurde gewünscht, dass der Vorstellungsgottesdienst und der Konfirmationsgottesdienst jeweils in den Einzelgemeinden stattfinden.

Was ist das besondere Konzept dieses Modells? Matze Rapp betont, dass es sein Ziel sei, die Jugendlichen dazu zu animieren, dass sie Lust aufs Dabeibleiben bekommen. Deshalb arbeitet er sehr praxisorientiert und empfindet den Konfirmandenunterricht als Crashkurs für den Glauben. Es werden aber auch das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, der Psalm 23 und der individuelle Konfirmationsspruch auswendig gelernt. Grundsätzlich ist aber die Gemeinschaft sehr wichtig und möglichst viele sollen auch weiter bei Freizeiten oder Jugendkreisen am Ball bleiben oder sich zu Mitarbeitern ausbilden lassen.

Im Laufe dieses Vorbereitungsjahres auf die Konfirmation sollen die Jugendlichen eine ernsthafte Antwort auf die Frage geben können, ob sie mit Jesus leben wollen.

Das momentane Konzept ist auf zwei Jahre beschränkt, so lange bekommen die drei Gemeinden vom Dekanat den Jugendreferenten gestellt. Matze Rapp sieht das als Anfang eines Weges, der sicher nicht ganz genauso weitergehen wird, aber der doch wegweisend für die Zukunft sein soll.

Die Teamer

Mit viel Engagement und Überzeugung dabei: Jan Zeltner, Paul Grund und Peter Venzel. Nicht im Bild: Emma Tanzhaus

Auf die Frage, warum die Jugendlichen in ihrer freien Zeit Matze Rapp unterstützen, bekomme ich die Antwort, dass sie schon mit Matze auf Freizeiten waren und einfach Spaß daran haben, diese Arbeit zu unterstützen. Eine Viertel oder halbe Stunde vor Beginn trifft sich Matze mit dem Team. Tische werden aufgestellt und der Raum hergerichtet und heute haben sie noch ein Rollenspiel einstudiert, das Matze zum Thema „Abendmahl“ vorbereitet hat. Die Jungs wollen auch gerne weiter mitarbeiten.

Das Thema Abendmahl – zuerst mit Rollenspiel erlebbar gemacht und besprochen, daran anschließend beim gemeinsamen Essen spürbar nachempfunden

Stimmen von Konfirmanden

In der riesigen Gruppe lass ich mir zeigen, wo die Ottensooser sitzen und komme mit ihnen ins Gespräch. Sie finden es cool, mit den Jugendlichen aus den anderen beiden Gemeinden zusammen zu sein und auch die Tatsache, dass die Teamer vom Alter her ganz nah an ihnen dran sind, gefällt ihnen sehr gut.

Die Inhalte kann Matze anschaulich vermitteln, heute ging es ums Abendmahl. Der Bogen wurde von Mose und dem Passahfest hin zum letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern gespannt. Und natürlich ging es auch um die Frage, was das Abendmahl heute für uns bedeutet. Alle betonen, dass das heutige Thema ein interessantes war. Beim gemeinsamen Essen auf dem Boden – aber mit feierlich weißem Tischtuch in der Mitte – wird der Gemeinschaftsgedanke des Abendmahls praktisch umgesetzt.

Nach dem inhaltlichen Teil gibt es dann noch Spiele, das gefällt natürlich allen ganz besonders. Ein Lied zum Abschluss und ein Gebet beenden den Nachmittag.

Julia Prögel und Mira Zeltner haben offensichtlich Spaß.
Das Thema Abendmahl – zuerst mit Rollenspiel erlebbar gemacht und besprochen, daran anschließend beim gemeinsamen Essen spürbar nachempfunden

Jano Seidenfaden, Luis Degen und Lorenz Plommer finden Matze cool!

 

Bildnachweis: Huth

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Auf ein Wort https://pfarramt-ottensoos.de/2025/02/konfirmation/ Fri, 31 Jan 2025 23:29:33 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=13289 Pfarrer Kessel Notfallseelsorge

Was nehmen wir aus unserer Konfirmandenzeit mit? Was prägt uns aus unserer Kindheit und Jugend? Wenn wir das aktuelle Konzept anschauen, nehmen wir sicherlich den großen Unterschied wahr. Der eigene kirchliche Unterricht war eher von Lernen, Können und Frontalunterricht geprägt. Beim Konfi im mittleren Pegnitztal geht es um Gemeinschaft und Beziehung. Es geht nicht darum zu sagen, dass das eine gut und das andere schlecht war. Jedes […]]]>
Pfarrer Kessel Notfallseelsorge

Was nehmen wir aus unserer Konfirmandenzeit mit? Was prägt uns aus unserer Kindheit und Jugend?

Wenn wir das aktuelle Konzept anschauen, nehmen wir sicherlich den großen Unterschied wahr. Der eigene kirchliche Unterricht war eher von Lernen, Können und Frontalunterricht geprägt. Beim Konfi im mittleren Pegnitztal geht es um Gemeinschaft und Beziehung. Es geht nicht darum zu sagen, dass das eine gut und das andere schlecht war. Jedes Konzept hat seine Zeit und muss zu den Jugendlichen passen, die die Zeit jeweils hervorbringt. Es passiert viel im Miteinander und Gespräch, im Gedankenaustausch, aber auch im Ausprobieren. Hand und Herz müssen dabei sein, damit etwas für die Zukunft mitgenommen werden kann. Damit es nicht auf der Strecke bleibt, weil es nicht relevant war.

Relevant ist, was mit meinem Leben zu tun hat und was im Alltag passiert. Die Jahreslosung ist da cool: Prüfet alles und behaltet das Gute. Ich habe aus meinem Konfirmandenunterricht mitgenommen, dass ich von Gott gesehen werde. Auch wenn mich ein Gefühl von Einsamkeit umgibt, bin ich doch nicht allein. Ich gehe meinen Lebensweg begleitet. Und auch wenn ich stolpere und stürze, bin ich behütet. In der evangelischen Jugend habe ich wahrgenommen, dass ich nicht alleine auf diesem Weg bin. Gemeinschaft hatte ich durch diese doppelte Verbindung, mit anderen Christinnen und Christen und mit Gott.

Darauf kommt es letztlich an: dass wir unser Christsein gemeinsam leben und unser Geschenk des Lebens entfalten können. Ich freue mich, dass in der Konfi-Zeit dafür viel Raum gegeben wird. Ihr

Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer

Bildnachweis: Kessel

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Auf ein Wort https://pfarramt-ottensoos.de/2023/10/kirche-zukunft-sparen/ Sat, 30 Sep 2023 22:22:59 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=12805 Albrecht Kessel

Die Kirche spart und bei den kleinen Unterhaltungen zwischendurch kommt da manchmal auch die Rede drauf. „Was wird denn bei uns im Dekanat gekürzt?“ Man hat das Gefühl, dass da ein Damoklesschwert hängt, das für die Gemeinden bedrohlich ist. Das Problem an dem negativen Gefühl ist, dass keine Ideen aufkommen können, wie es denn auch anders geht. Klar ist, dass wir in Zukunft weniger Pfarrer und Pfarrerinnen […]]]>
Albrecht Kessel

Die Kirche spart und bei den kleinen Unterhaltungen zwischendurch kommt da manchmal auch die Rede drauf. „Was wird denn bei uns im Dekanat gekürzt?“ Man hat das Gefühl, dass da ein Damoklesschwert hängt, das für die Gemeinden bedrohlich ist. Das Problem an dem negativen Gefühl ist, dass keine Ideen aufkommen können, wie es denn auch anders geht.

Klar ist, dass wir in Zukunft weniger Pfarrer und Pfarrerinnen haben, weil es weniger Nachwuchs gibt. Deshalb ist es wichtig, Regionen zu bilden und die Zusammenarbeit zu stärken. Ein positives Beispiel, wie das gehen kann, haben die Konfirmanden beim Dekanatskonficamp erlebt – und es mir auch vorgelebt. Insgesamt haben acht Kirchengemeinden in drei Regionen gemeinsame Tage erlebt, in denen miteinander gespielt und gefeiert, gearbeitet und gegessen wurde. Schönberg und Ottensoos waren mit den Konfirmandengruppen da. Die Jugendlichen haben sich schnell gemischt, denn sie kennen sich durch Schule und Freizeit und freuten sich, auch im kirchlichen Kontext ein geniales Wochenende miteinander verbringen zu können. Bibelarbeit, Farbschlacht, Gottesdienst, Lagerfeuer, Lobpreislieder – und Freude an der Gemeinschaft, wie es der spontane Tanz der Konfis deutlich zeigt.

Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer

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Videobotschaft zum Konfirmationssonntag am 11.10.2020 https://pfarramt-ottensoos.de/2020/10/videobotschaft-22/ Sat, 10 Oct 2020 22:40:54 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=8255

Bildnachweis: Kessel]]>

Bildnachweis: Kessel

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Konfirmation – wie war das denn früher, als die Zeiten noch schlechter waren? https://pfarramt-ottensoos.de/2020/08/konfirmation-wie-war-das-denn-frueher-als-die-zeiten-noch-schlechter-waren/ Sat, 01 Aug 2020 20:08:40 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=8199

In diesem Jahr fand in Ottensoos am Weißen Sonntag wegen der Corona-Pandemie keine Konfirmation statt, ein wohl einmaliger Vorgang in der Ottensooser Kirchengemeinde. Allerdings gab es einen weiteren Jahrgang, bei dem die Konfirmation nicht in den altbekannten Bahnen verlaufen konnte und das war der Konfirmandenjahrgang 1945. Für diesen Kirchenboten wurden Konfirmanden der Jahrgänge 41/ 43/ 45 und 48 befragt, wie Konfirmation damals vonstatten ging, aber zunächst soll es […]]]>

In diesem Jahr fand in Ottensoos am Weißen Sonntag wegen der Corona-Pandemie keine Konfirmation statt, ein wohl einmaliger Vorgang in der Ottensooser Kirchengemeinde. Allerdings gab es einen weiteren Jahrgang, bei dem die Konfirmation nicht in den altbekannten Bahnen verlaufen konnte und das war der Konfirmandenjahrgang 1945.

Für diesen Kirchenboten wurden Konfirmanden der Jahrgänge 41/ 43/ 45 und 48 befragt, wie Konfirmation damals vonstatten ging, aber zunächst soll es um diesen besonderen Jahrgang 45 gehen.

Gunda Haber, geb. Ruder, konf. 1945 und Konrad Haber, konf. 1941

Die Konfirmation fand am 18. April 1945 statt, also nicht einmal mehr ein Monat hin bis zum Kriegsende am 8. Mai und doch für die Ottensooser ein schwieriger Tag. Nürnberg war im Januar bombardiert worden und in Berlin tobte der Kampf um die Hauptstadt durch die Rote Armee. In Bayern versuchten die Amerikaner den letzten Widerstand zu brechen, weshalb es zu Bombardements an diesem Tag kam. Sie galten vornehmlich der rechten Bahnstrecke bei Reichenschwand, wo noch deutsche Truppen- und Militärtransporte stattfanden, aber auch in Ottensoos war Fliegeralarm.

Die Konfirmanden waren schon im Pfarrhaus versammelt, um mit dem Posaunenchor in die Kirche einzuziehen, allerdings ohne den üblichen grünen Teppich aus Fichtenstreu, weil in diesen Zeiten niemand Zeit und Muße zum „Schneckern“ gefunden hatte. Da gab es also Fliegeralarm und an einen geordneten Einzug war nicht zu denken. Pfarrer Lammel schickte die Konfirmanden dann einzeln nacheinander in die Kirche und sie mussten sich an den Zäunen entlang drücken, damit sie nicht auf offener Straße einen Angriffspunkt boten. Als dann alle in der Kirche waren, konnte kein geordneter Gottesdienst stattfinden und immer wieder wurden die Besucher aufgefordert in Deckung zu gehen, etwa unter der Orgel. Der Pfarrer versuchte die ängstlichen Menschen zu beruhigen, dass sie in der Kirche am sichersten seien und tatsächlich hatten die Amerikaner nicht die Absicht, die Kirche zu bombardieren, wovon man zu diesem Zeitpunkt aber natürlich nicht sicher ausgehen konnte.

Ganz bestimmt empfand die Festgemeinde die nachmittägliche Andacht als Wohltat – ohne Fliegerangriff und mit der Gewissheit, dass in Ottensoos niemand zu Schaden gekommen war.

Von „Betzen“ und anderen Braten

Zum Konfirmationsfest gehört natürlich auch ein besonderer Festschmaus und alle Familien gaben sich erdenkliche Mühe, trotz der schlechten Zeiten, für ihre Konfirmanden ein Festessen zu organisieren. Nicht alle Befragten wussten mehr genau was es gab. Es mag wohl eine Nudel- oder Leberknödelsuppe gewesen sein. Bei Falks hatte der Vater Beziehungen zu einem Freund, der im Schlachthof arbeitete und es gab saure Lunge mit Knödeln, bei Familie Ruder kam ein Stallhase in gebratener Form auf den Mittagstisch. Gar nicht am Mittagstisch blicken ließen sich die Jungen des Jahrgangs 1943. Ihr Mitkonfirmand „Brunnerbauer“ aus Rüblanden hatte nicht nur viele Geschwister sondern sein Vater war auch Schafhirte und hatte viele Schafe, von denen eines zur Feier des Tages geschlachtet wurde.

Frieda Falk, konf. 1945

Diesen Festschmaus ließen sich die Jungs nicht entgehen, sondern gingen nach dem Gottesdienst kurzerhand mit nach Rüblanden, worüber die Festgesellschaft von Georg Keltsch am heimischen Tisch nicht besonders begeistert war.

Keinen einzigen Bissen vom Betzen brachte hingegen Lisbeth Herzog an ihrer Konfirmation hinunter. Etwa zwei Jahre vorher hatte ihr Vater, der Wirt beim heutigen Pepe, einem Hirten erlaubt, seine Schafe auf der großen Wiese hinter dem Wirtshaus weiden zu lassen. Als Dank ließ der Schäfer ein Lämmlein da, welches Lisbeths Spielkamerad „Hanse“ wurde. Hanse ließ sich herzen und am Strick durch die Gegend führen, und es war sicher nicht im Sinne der Konfirmandin, dass er als Konfirmationsbraten endete, weshalb sie bis heute kein Lammfleisch essen mag.

Zum Kaffee kam ein Gesundheitsschatt auf den Tisch, aber Frieda Falks Schwester war beim Bauern Kroder in Stellung und hatte es tatsächlich 1945 geschafft, für ihrer Schwester eine wunderbare Buttercremtorte zu zaubern, die zum Kühlen in den Keller gestellt worden war. Als die Konfirmandin nach dem Schrecken des denkwürdigen Gottesdienstes nach Hause kam, wollte sie einen Blick auf dieses Wunder werfen, da waren nur noch drei Stücke da. Ihre beiden Brüder, die daheim geblieben waren, hatten sich gedacht, dass es doch schade um die schöne Torte sei, wenn alles in Schutt und Asche gebombt würde. Immerhin ein Stück bekam die Konfirmandin dann doch ab. Bei Familie Ruder gab es einen „schwarzen Gesundheitsschatt“ – schwarz natürlich nicht vom Kakao, der einen unvorstellbaren Luxus dargestellt hätte, sondern vom Roggenmehl. Das Schmalz für den Kuchen stammte von einem (durch Bombenangriff) liegengebliebenen Güterzug, von dem sich die Einwohner das transportierte Schmalz „organisiert“ hatten und Mutter Ruder hatte den Schmalztopf kurzerhand im Garten vergraben, um ihn vor Dieben zu schützen und für das große Fest der Konfirmation aufzusparen.

Ohne Vorbereitung geht gar nichts

Lisbeth Stell, geb. Herzog, konf. 1948

Wie heute ging der Konfirmation der Konfirmandenunterricht voraus, der einmal in der Woche stattfand und zwar im damaligen Schulhaus im ersten Stock, dort wo heute das Rathaus ist. Der Pfarrer mag seine liebe Mühe gehabt haben, da die Jahrgänge doch stark waren. Es galt viele Verse aus dem Gesangbuch, Psalmen und Luthers Auslegungen zum kleinen Katechismus zu lernen. Bei der nächsten Konfirmandenstunde musste eine oder einer den Lernstoff dann hersagen und man tat gut daran, dies möglichst fehlerfrei zu können, sonst… Eine Minderung oder Erlass des Lernstoffs konnte erwirkt werden, wenn man Heilkräuter für die Versorgung der Soldaten sammelte und abgab. Die Kräuter wurden dann am Kirchendachboden getrocknet.

Die Rüblander Konfirmanden gingen über Mittag immer zu einer Freundin/ einem Freund in Ottensoos, weil es sich nicht lohnte zwischen Schule und Konfirmandenunterricht heimzugehen.

Die Kirchengemeinde sollte vor der Konfirmation davon überzeugt werden, dass die Konfirmanden in den letzten beiden Jahren auch etwas gelernt hatten. Dazu gab es den Vorstellungsgottesdienst am Ostermontag. Die Kirche war gerappelt voll und die Konfirmand/innen wurden abgefragt. Sicherlich hat der Pfarrer dann auch das Vermögen seiner einzelnen Schäfchen im Hinterkopf gehabt, so wurde Georg Keltsch gleich 14 mal gefragt. Erinnert wird auch, dass der Pfarrer mal einen Buben tröstete, der anfing zu weinen, weil ihm sein Vers nicht mehr einfallen wollte. Sicher gab es auch Absprachen, wer was zu sagen hatte, aber insgesamt sind wohl die heutigen Konfirmanden froh, dass es diese Prüfungsform nicht mehr gibt!

1945 gab es nach Abschluss der Konfirmation auch noch die Christenlehre, die sonntags um 13 Uhr (bevor es zum Sportplatz ging) in der Kirche stattfand und bei der auch in der Bibel gelesen wurde. Das war nicht mehr verpflichtend, aber die meisten wurden doch von den Eltern geschickt. Es war wohl so eine Art Jugendkreis, allerdings ging die Christenlehre irgendwann zwischen 1945 und 48 verloren.

Zur Vorbereitung des Festes gehörte wie heute das „Schneckern“ und abgesehen vom genannten Jahrgang 1945 war das eine Ehrensache, dass es einen dichten grünen Teppisch vom Pfarrhaus zur Kirche gab. Ging es da mit dem Pferdefuhrwerk in den Wald, so wie man es eben heute mit dem Bulldog macht? Weit gefehlt! Die Jungs zogen mit dem Leiterwagen los und es waren wohl etliche Fuhren nötig, bis genügend Streu zusammen war. Das Häckseln war dann die Arbeit daheim und es wäre den vielbeschäftigten Eltern nicht in den Sinn gekommen, dabei zu helfen, sondern das war allein die Aufgabe der Jugendlichen.

Seit wann gibt es diesen Brauch eigentlich? Diese Frage kann wohl nicht beantwortet werden. Konrad Haber als der Älteste der Befragten, der 1941 konfirmierte, kann sich nicht erinnern, dass es in seiner Kindheit jemals anders war.

Früher waren alle braver? – Denkste!

Wie gesagt hatte der Pfarrer mit den vielen Kindern sicherlich gut zu tun, aber er hatte als Helfer immer sein „Steckerler“ zur Hand. Damit gab es entweder was über die Finger oder der Delinquent musste sich über die Bank beugen und bekam was hinten drauf.

Streiche gab es auch, so brachten die Weigenhofer einmal Niespulver mit. Der Pfarrer hatte vorne schon seine Bibel aufgeschlagen, als er noch einmal den Raum verließ. Die Bibel wurde mit dem Niespulver präpariert und als der zurückgekommene Pfarrer nicht mehr aus dem Niesen herauskam, drohte er den Konfirmanden, dass er sie nicht konfirmieren würde (eine Drohung, die sich auch in späteren Zeiten wiederholte :-)). Er verließ den Schulraum und die betretenen Konfirmanden beratschlagten was zu tun sei. Die braven Mädchen machten sich auf den Weg ins Pfarrhaus und entschuldigten sich förmlich, und die Konfirmation fand natürlich statt.

Einmal kicherten die Mädchen dauernd, so dass der Pfarrer mit dem Handrücken auszog und ein Mädchen so mit seinem Siegelring traf, dass sie an der Backe blutete. Sie ging gleich heim und der Pfarrer bekam einen Besuch vom erbosten Vater. Die Buben erzählten ihre Übeltaten daheim wohl lieber nicht, sonst hätte es noch mal Prügel gegeben.

Eine der Befragten erinnerte sich, dass ein Bub den Pfarrer mal selbst beim Schlawittel gepackt haben will, so dass dessen Knöpfe von der Jacke flogen. Nachdem keiner dabei war, als das passiert sein soll, denken manche, dass diese Geschichte wohl auch unter Aufschneiderei verbucht werden kann. Ähnlich mag es mit der Erzählung sein, dass der Pfarrer einen der Jungen mal zwischen den Beinen einklemmte, um ihm den Hintern zu versohlen und dieser daraufhin dem Pfarrer ins Bein biss.

Erna Schröpfer, geb. Scharrer, konf. 1943 Georg Keltsch, konf. 1943 Christa Fürwitt, geb. Helmreich, konf. 1948

Ottensooser Chic

Zur Konfirmation gehört auch die passende Garderobe. Bei den Mädchen waren die neuen Kleider natürlich besonders wichtig – eines zum Vorstellungsgottesdienst und ein schwarzes zur Konfirmation. Wer wie Frieda Falk drei ältere Schwestern hatte, trug ein Kleid, das schon mehrmals jeweils nach der Körpergröße der jeweiligen Konfirmandin umgeändert worden war. Ihr Vorstellungskleid war allerdings neu und der Stoff kam in der Regel vom Haus Gramp in Lauf oder von Wagner in Hersbruck. Kleider wurden entweder von Frau Leykauf im Dorf genäht oder es kam eine Schneiderin ins Haus, die dann frühmorgens anfing und bis zum Abend blieb, bis das Kleid dann fertig war. Das nannte man, „auf die Ster kommen“. Modern waren zu dieser Zeit Kleider mit gesmoktem Oberteil und oft haben die Stoffe mächtig gekratzt. Stoff und ein Paar Schuhe gab es auf Bezugsschein.

Patendank und Geschenke

Eine wichtige Rolle bei der Konfirmation spielt der Pate oder die Patin, deren Amt es gewesen war, das Mädchen oder den Jungen bis zur Konfirmation zu begleiten. Von nun ab waren die Konfirmanden vollwertige Mitglieder der Kirchengemeinde. An der Konfirmation wurde dem Paten der Patendank ausgesprochen, das war ein Bogen Papier mit einem frommen Bild und vorgefertigten Zeilen, in die man die Namen einfügen konnte. Diesen überreichte man den Paten, und es war auch gleichzeitig die Einladung zum Konfirmationsfest. Wie sehr sich die Paten beim Geschenk „anstrengten“ war sehr unterschiedlich und grundsätzlich gab es in diesen Zeiten natürlich nicht viele Geschenke. Bei den Mädchen war es in der Regel das Kettchen mit einem Kreuzanhänger oder Sammeltassen, welche die Patin eventuell schon zu ihrer eignen Konfirmation bekommen hatte und nun weiter verschenkte. Bei den wenigen Geschenken waren Handtücher oder Taschentücher der Renner. Die Mädchen besuchten sich dann auch gegenseitig am Nachmittag des Konfirmationssonntags und bewunderten ihre Geschenktische.

Alle Befragten betonten, dass es zwar schwierige Zeiten waren, dass sie aber ihre Kindheit und Jugend als eine wunderbare Zeit in Erinnerung haben. Es gab keine großen Reichtümer, aber einen großen Zusammenhalt, und da Kinder zu dieser Zeit eher „mitliefen“ als dass sie ständig viel Beachtung gefunden hätten, wie das heute üblich ist, war die Konfirmation natürlich auch ein ganz großer Tag, an dem die Hauptperson wirklich einmal für einen Tag im Mittelpunkt stand.

Konfirmandenjahrgang 1945; ganz links oben Gunda Ruder; ganz vorne zweite von rechts Frieda Falk

Bildnachweis: Haber

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Auf ein Wort https://pfarramt-ottensoos.de/2020/08/auf-ein-wort-konfirmation/ Sat, 01 Aug 2020 19:53:58 +0000 https://pfarramt-ottensoos.de/?p=8188 Albrecht Kessel

„Auf allen meinen Wegen bist du, Gott, mein Licht.“ Das haben die Vorschulkinder bei ihrem Abschlussgottesdienst im Chor gesprochen, sind dabei um eine Kerze gelaufen und haben auf das Licht gezeigt. Das war ein eindrückliches Bild. Sie haben ihren Glauben gestärkt. So würde ich das nennen. Manchmal braucht es prägnante Sätze, um sich seines Glaubens zu vergewissern. Um ihn zu bestärken, zu konfirmieren. […]]]>
Albrecht Kessel

„Auf allen meinen Wegen bist du, Gott, mein Licht.“

Das haben die Vorschulkinder bei ihrem Abschlussgottesdienst im Chor gesprochen, sind dabei um eine Kerze gelaufen und haben auf das Licht gezeigt. Das war ein eindrückliches Bild.

Sie haben ihren Glauben gestärkt. So würde ich das nennen. Manchmal braucht es prägnante Sätze, um sich seines Glaubens zu vergewissern. Um ihn zu bestärken, zu konfirmieren.

Üblicherweise konfirmieren wir mit 14 Jahren. Ich habe meine Konfirmation in Marktbreit gefeiert. Vom Gottesdienst selber weiß ich nur noch wenig. Am meisten blieb mir eine Mitkonfirmandin in Erinnerung, die ein Kleid mit einer riesigen Schleife auf dem Rücken tragen musste, weshalb sie weinte. Nicht alles, was Eltern erfreut, ist auch für die Kinder gut.

Warum ich sonst nicht mehr so viel weiß, habe ich mich manches Mal gefragt. Die Feier war also soweit in Ordnung, denn es ist ja vor allem das Außergewöhnliche – positiv wie negativ, das im Gedächtnis haften bleibt. Aber ich war auch nicht voll dabei und habe mich aktiv beteiligt. Es war mehr so, dass ich mitgeschwommen bin, wie es Jugendlichen oft ergeht.

Als Frage ist mir geblieben, wie wichtig es ist, seinen Glauben aktiv zu leben. Unser christlicher Glauben funktioniert ja auf zweifache Weise: ich sehe mich als von Gott gesegneter Mensch, der viel Gutes in seinem alltäglichen Leben empfängt. Das ist die passive Seite. Ich bekomme das ohne mein Zutun. Ich wende mich aber auch an Gott, um ihm von mir und meinem Befinden zu erzählen, ihn zu bitten, ihm zu danken oder auch ihm mein Leid zu klagen. Das ist die aktive Seite. Sie führt dazu, dass ich meinen Glauben immer besser verstehe. In stürmischen Zeiten meines Lebens bleibe ich fest.

Die Frage, wie wichtig die aktive Seite ist, muss offen bleiben. Sie wird sicherlich von jedem anders beantwortet. Aber sich darüber Gedanken zu machen, ist schon eine „Konfirmation“, eine Stärkung des Glaubens.

Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer

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