Auf ein Wort
7 Wochen ohne Panik
Ich finde das Motto für die Fastenzeit wundervoll! Attraktiv! Himmlisch! Und völlig unrealistisch. Das hat schon gleich vom ersten Tag an nicht geklappt. Wie soll das in den kommenden Wochen gehen? Trump trampelt alles jenseits von demokratischen Entscheidungen nieder, was ihm nichts nützt, und in vielen Teilen der Erde sterben Menschen durch diese Handlungsweise. Mein Paniklevel ist da schnell hoch: wo hat das seine Grenzen? Er redet mit Putin, aber offenbar geht es beiden nicht darum, dass die Menschen in Frieden leben können. Wie geht das auf europäischem Boden weiter? Meine Gedanken rennen panisch im Kopf herum und finden keinen Ruhepunkt. In meinem Alltag geht es mit der Panik weiter: habe ich vergessen den Antrag in Bezug zur Kirchensanierung rechtzeitig zu stellen? Wenn ich hier was verpasse, kann das teuer werden. Nur keine Panik, sage ich mir und manchmal gelingt es mir auch, ruhiger zu werden.
Fasziniert hat mich schon immer die Anti-Panik-Brille in Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“. Immer wenn akute Gefahr bevorstand, wurde die Brille schwarz, so dass keine Panik entstehen konnte. Wer die Gefahr nicht sieht, kann auch keine Panik bekommen. Oder? Manchmal hätte ich gerne so eine Brille für sieben Wochen, dann könnte ich doch locker das Fastenmotto erfüllen. Diesen Biedermeier-Gedanken schiebe ich beiseite und mache mir klar: je besser ich sehe, desto weniger Panik habe ich. Ich kann mich vorbereiten, ich kann mich innerlich stählen, ich kann rechtzeitig ändern, was ich ändern kann. Und ich kann einen weiten Blick bekommen, der über mich und meine Welt hinausgeht. „Ich bin bei euch bis an der Welt Ende“, sagte Jesus. Ein billiger Trost? Nicht, wenn es Resonanz in meinem Glaubensleben findet. Wenn ich da schon Begleitung erlebt und erkannt habe. Die Panik wird abgefedert. 7 Wochen ohne Panik? Ich glaube. Es geht.
Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer