Auf ein Wort
mit Pfarrer Albrecht Kessel
Auf ein Wort
Geistliches Zentrum – Geist im Zentrum
Die Kirchensanierung kostet viel Arbeits- und Finanzkraft, das ist ganz klar festzuhalten. Wer eine Kirche in der Größenordnung erhalten will, um sie als religiöses Zentrum zur Verfügung zu stellen, der muss investieren. Das bedeutet aber auch, dass für andere Dinge kein Geld zur Verfügung steht und die Arbeitskraft nicht für alle Ideen und Aufgabenfelder frei ist. Um es auf den kurzen Nenner zu bringen: Investition in Stein gegen Investition in Geist.
Die Frage, die die Landeskirche gerade stellt ist, welche Gebäude wollt ihr erhalten? Alle können wir nicht mehr finanzieren. Die Antwort ist meistens: auf die Kirche wollen wir nicht verzichten. Weil wir so viele und intensive Erlebnisse mit ihr verbinden, weil sie unsere Glaubensheimat ist, weil sie ein besonderer Raum ist. Deshalb haben wir auch so viel in die St. Veitkirche investiert und freuen uns, wenn ein Gottesdienst gelingt, bei dem Groß und Klein ihre Freude haben, wie man auf dem Titelfoto sehen kann. Und wir wissen, dass die nächsten Jahrzehnte dieses Gebäudes gesichert sind.
Auf der anderen Seite garantiert so ein Steingebilde nicht, dass sich in ihr auch etwas regt. Es gibt ja auch Steine, die einengen und abtöten, was eigentlich wachsen will.
Deshalb finde ich Pfingsten so gut. Dieser Feiertag erinnert uns daran, dass nicht alles planbar, lenkbar ist und immer ordnungsgemäß abläuft. Der Heilige Geist weht bekanntlich, wo er will. Und er weht nicht immer dort, wo ich es will. Und umgekehrt kann er wehen, wo ich es nicht erwartet habe. Das weist darauf hin, dass wir uns zwar ein Bild von Gott machen (er macht alles gut), aber das Bild muss nicht stimmen. Denn das Leben kann auch schlecht laufen. Mir kommt nicht immer Liebe entgegen. Gott ist und bleibt für uns unverfügbar. Deshalb ist das andere Bild so wichtig: der Geist weht, wo er will.
Und dann kann es passieren, dass sich nach längerer Zeit plötzlich junge Menschen melden, die Lust haben, eine Gruppe für Jüngere anzubieten. Das hatte niemand geplant oder gelenkt. Da hat niemand gefragt. Es kam einfach auf und alle haben dankbar Ja gesagt.
Das bedeutet nicht, dass wir nichts anbahnen oder lenken müssten. Pfingsten bedeutet, dass wir keine Garantie haben, dass alles so läuft, wie wir das gerne hätten. Aber Pfingsten bedeutet sehr wohl, dass wir darauf vertrauen dürfen, dass manches kommt, was so unerwartet und überraschend ist. Um dann zuzugreifen, es anzunehmen, dankbar zu sein.
Ein frohes Pfingstfest wünscht Ihnen
Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer
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