Gäste aus Papua

Was lange währt…

Annika Häberlein, Initiatorin des Austausches auf Jugendebene mit Waikisa, Leiter der Jugend in Wantoat

wird endlich gut! Nach dem Besuch einer Jugenddelegation aus dem Dekanat Hersbruck in Wantoat im Jahr 2017 sollte es eigentlich im letzten Jahr schon einen Rückbesuch von jungen Menschen geben, doch scheiterte dieser an verschiedenen bürokratischen Hürden. Auch in diesem Jahr galt es einige Klippen zu umschiffen, so dass die Freude groß war, als die vier Männer und zwei Frauen doch endlich in Deutschland landeten und nach einer Eingewöhnungszeit in Neuendettelsau dann für drei Wochen ein dichtes Programm in unserem Dekanat absolvierten. In der Zeit wohnten sie oben in der ehemaligen Hausmeisterwohnung im Kindergarten, die vor der Renovierung hierfür gut genutzt werden konnte. In diesen drei Wochen sind sie sicherlich vielen Menschen in Ottensoos einmal begegnet. Dieser Bericht soll vornehmlich in Bildern einen Eindruck von den drei Wochen vermitteln.

Begrüßungsabend in Ottensoos am 17. Juli mit dem Frauensingkreis, wobei wieder deutlich wurde, dass Musik die beste Sprache für Völkerverständigung darstellt. Im Anschluss gab es noch etwas zu essen und die Gäste zeigten aktuelle Bilder aus Wantoat.

 

Partnerschaft stärken

Wichtiger Programmpunkt war die Besprechung des bestehenden Partnerschaftsvertrags zwischen den beiden Dekanaten und der Austausch über die jeweilige Jugendarbeit. Dazu erhielten die Gäste das aktuelle Sweatshirt der Dekanatsjugend und es fanden Treffen mit verschiedenen Jugendgruppen statt.

Wie funktioniert die deutsche Arbeitswelt?

Auf dem Programm stand der Besuch in verschiedenen Betrieben. Landwirtschaft ist in PNG bekannt, wer dort nicht jeden Tag auf dem Feld arbeitet, hat nichts zu essen, denn niemand kauft Lebensmittel. Das ist aber nicht vergleichbar mit unserer Landwirtschaft mit großer Viehhaltung.

Große Augen also im Kuhstall und noch größere in Handwerks- und Industriebetrieben, denn diese Art der Erwerbsarbeit gibt es im Wantoattal auch nicht ansatzweise.

 

Wie man sieht: Die Papuas und Familie Wolf, bei denen sie einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb erlebten, verstanden sich auf Anhieb gut.

 

Ämter und Behörden

Auch ein kleiner Einblick in das politische Leben stand auf dem Programm, so der Besuch im Rathaus in Ottensoos und im Landratsamt in Lauf. Besonderer Höhepunkt war auch eine Begrüßung im Heimatministerium in Nürnberg durch Norbert Dünkel.

Was den Wantoats aber bestimmt besonderen Eindruck machte, war ein Besuch auf der Polizeiwache in Hersbruck und natürlich die Möglichkeit, einmal in einem Polizeiauto hinter dem Lenkrad zu sitzen.

Schule und Behindertenarbeit

Mehr Parallelen zu ihrem Leben konnten die Wantoats in den Schulen erkennen – im Gymnasium Lauf und der Grundschule in Offenhausen. Ein besonderer Höhepunkt war für sie der Besuch einer Behindertenwerkstatt. Hatten wir bei vorhergehenden Besuchen den Eindruck, behinderte Menschen würden eher versteckt, wie es das bei uns in früheren Zeiten auch gab, so stellen sich die jungen Menschen dieser Herausforderung heute bewusst, besuchen Behinderte und helfen im Alltag.

Gesundheitswesen

Eine unvorstellbare Diskrepanz besteht zwischen der gesundheitlichen Versorgung in den beiden Partner- dekanaten. In Wantoat kann man an einer Blinddarmentzündung sterben, weil es im ganzen großen Wantoattal keinen Arzt gibt, nur eine Gesundheitsstation mit einer Krankenschwester. Der Transport ins nächste Krankenhaus scheitert an dem katastrophalen Zustand der Straße, die oft auch nicht passierbar ist. Außerdem würde der Transport zu lange dauern und ein Ausfliegen des Patienten ist zu teuer.

Wurzeln unseres Glaubens

Ganz ehrfürchtig still werden die Wantoats, wenn zwei Namen genannt werden: Martin Luther als Begründer der evangelischen Konfession und Johann Flierl, der Bauernbub aus Buchhof in der Oberpfalz, der als erster Missionar nach PNG kam und ihnen den christlichen Glauben brachte. Das wird heute oft als kolonialistisch empfunden. Tatsache ist, dass der christliche Glaube zu einer Befriedung geführt hat, da Stammesfehden und Blutrache vorher an der Tagesordnung waren.

Was bleibt?

Es sind unter anderem diese Bilder, die uns lange in Erinnerung bleiben werden – Bilder von so viel Zuneigung und Lebensfreude – und Bilder von einer gelungenen Partnerschaft!

Bildnachweis: Evangelische Jungend im Dekanat Hersbruck