Auf ein Wort
Das religiöse Zentrum von Ottensoos!
Mit diesem Schlagwort haben wir bei den Fördergeldgebern geworben, um unsere St. Veit-Kirche wieder fit für die nächste Generation zu machen. Aber ist es ein religiöses Zentrum, wenn nicht so viele Menschen den Weg hinauf finden, sondern die Kirche eher aus dem Abstand heraus betrachten? Sich an Heilig Abend mit „und einen guten Rutsch, wir freuen uns auf Ostern“ verabschieden?
Bei der Einweihung ist natürlich viel geboten. „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.“ So sagt das Jesus im Lukasevanglium. Nicht über unsere Wiedereinweihung von St. Veit, sondern über Gottes Reich, das überall dort anfängt, wo wir uns mit Gott und seiner schöpferischen Kraft verbinden. Aber das ist genau der Punkt: wo sind wir verbunden, wo docken wir an die große Liebesmacht des „Schöpfers aller Dinge“ an?
Da fange ich nicht außen an, sondern in meinem Inneren. Wo spüre ich eine große Verbundenheit? Im Herzen? Im Geist? In meinem Selbst? Hier bin ich meinem Gott ganz nahe. Denn er hat sich ja so klein gemacht, dass er in die Welt kommen konnte, also auch zu mir kleinem Menschen.
Aber manchmal brauche ich eine besondere Umgebung, um mich verbunden zu fühlen. Das kann tatsächlich der Wald sein. Oder eben ein spirituelles Gebäude wie die Kirche. Bei der Sanierung von St. Veit sind wir vom Bauausschuss in alle Winkel bis unters Dach gekrabbelt und haben gesehen, wie besonders das ehrwürdige Gebäude ist. Ehrwürdig, weil es schon viel ausgehalten hat und vielen Menschen als religiöses Zentrum gedient hat. Generationen wurden hier getauft, konfirmiert, getraut und auch betrauert. Hier haben ganze Familien die Fest-Gottesdienste mitgefeiert. Hier steckt eine hohe emotionale Bindung zwischen den Mauern. Und eben eine intensive Möglichkeit mit Herz, Geist und allen Sinnen anzudocken. Und seinen eigenen Weg der Spiritualität zu finden, um sich mit der schöpferischen Kraft zu verbinden.
Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer
