Auf ein Wort
mit Pfarrer Albrecht Kessel
Auf ein Wort
Pfingsten ist ein wichtiges Kirchenfest und ein großer Feiertag. Aber er ist nicht wirklich greifbar. Bei Weihnachten und Ostern fällt vielen Menschen noch ein worum es da geht. An Pfingsten gibt es keine Geschenke und keine Symbolik mit Eiern. Pfingsten ist wie einmal in die Luft gepustet – aber damit kommen wir der Sache schon näher. Jesus hat nach der Apostelgeschichte gesagt: „…ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein“ (Apg. 1, 8).
50 Tage nach Ostern war es dann so weit. Die in Trauer und Angst versammelten Jünger haben plötzlich angefangen, Gott zu loben und von Jesu befreiender Kraft zu erzählen. Plötzlich haben sie den Mut gehabt, sich zu einem zum Tode Verurteilten zu bekennen. Das war nicht ungefährlich, denn sie könnten ja auch verurteilt werden.
Woher das plötzlich kam, war von außen betrachtet nicht zu erkennen. In der Apostelgeschichte erzählt Lukas zwar von einem „Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm“ und von „Zungen, zerteilt, wie von Feuer“. Aber es bleibt nicht greifbar, da es wie Sturm und Feuer ist. Der Heilige Geist ist unsichtbar, nicht deutlich zu erkennen, aber wirksam.
So wie Wind und Feuer sich auswirken, so wirkt Gottes Kraft in uns Menschen. Wo Gottes Geist anwesend ist, wird Energie freigesetzt, bewegt sich etwas. Aus müden Menschen werden muntere. Aus hoffnungslosen werden erwartungsvolle Menschen. Aus ängstlichen werden zuversichtliche Menschen. Es kann nicht ausgemacht werden, woher das plötzlich kommt. Es geschieht einfach. Ob jemand darum gebetet hat, ob jemand es einfach angenommen hat, als es auf ihn zukam, ist nicht zu erkennen. Denn Gottes Geist ist unsichtbar, nur die Wirkung kann gesehen werden. Damit bleibt das Pfingstfest genauso wenig greifbar. Aber es bleibt ein wichtiges Kirchenfest. Es erinnert daran, dass in unserer Welt nicht alles ermüdend festgelegt, sondern erfrischend auf Hoffnung angelegt ist.
Ihr Albrecht Kessel, Pfarrer
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